Früher, ja früher…

Bei Magadafl habe ich heute einen Artikel von Matthias entdeckt, dem ich gerne meine Gedanken zum Thema hinzufügen würde, da ich aber keinen elend langen Kommentar schreiben möchte, widme ich dem Thema einen eigenen Artikel.

Matthias fragte sich ob es denn nun wirklich so sei, dass früher alles besser war oder ob das in Wirklichkeit nur so oberkluge und nutzlose Sprüche sind. Er bezog sich in seinem Beitrag im Vergleich zu heute auf die 70er und 80er Jahre und legte den Schwerpunkt auf Kindeserziehung, Familienzusammenhalt und Freizeitgestaltung. Das sind ja wie die meisten hier wissen genau meine Themen, daher möchte ich meinen Gedanken einfach mal freien Lauf lassen.

Früher, ich nehme auch mal so die 80er Jahre, da sind die Kinder in der Natur groß geworden, sie waren draußen, machten Sport, trafen sich mit Freunden um auf den Bolz- oder Spielplatz zu gehen. Heute hingegen sitzen die meisten Kinder mit ihrer Nintendo DS oder was es sonst noch so gibt, in der Bude während der Babysitter namens Fernseher die restliche Unterhaltung übernimmt. Allgemein scheinen sich die Eltern viel weniger Zeit für ihre Kinder zu nehmen, als man es noch vor beispielsweise 20 Jahren getan hat. Ich glaube nicht, dass das nur damit zusammenhängt, dass beide Elternteile arbeiten gehen (denn das ist ja nicht in allen Familien der Fall) sondern auch und vor allem an den Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Eltern angeboten werden. Früher hatten die Mütter gar keine Möglichkeit nachmittags bei Facebook und WKW ihre Freunde auf dem Laufenden zu halten, sie hatten keine Blogs, die sie mit Content füllen mussten. Somit nahmen sie ihre Kinder, fuhren gemeinsam Fahrrad, spielten Brettspiele, bastelten – egal was, aber sie unternehmen was gemeinsam. Heute sitzen die Mütter den halben bis ganzen Tag vorm PC oder am Smartphone und parken die Kinder gewissenhaft vor der Klotze.

Auffällig finde ich zum Beispiel auch, dass diese Verhaltensweisen oft in Familien zu finden sind, wo die Eltern arbeitslos sind und sich die Familien dadurch finanziell noch unter der Mittelschicht befinden, wobei die doch eigentlich die Zeit haben um sich vernünftig mit ihren Kindern zu beschäftigen. In besser gestellten Familien findet man die Kinder meist nachmittags in Vereinen oder im Garten der befreundeten Familien. Ich bezweifel allerdings, dass diese Unterschiede tatsächlich am Geld oder besser gesagt am fehlenden Geld liegen, denn bei einer Jahresgebühr von 10-20 Euro für einen Fußball- oder Turnverein sollte das ganze doch nicht scheitern.

Vor 20 Jahren hat man diese enormen Unterschiede nicht so deutlich gesehen, da gingen irgendwie alle oder besser gesagt die meisten Kinder in Vereine und die Kinder aller Schichten trafen sich draußen zum Spielen.

Vielleicht war in dieser Hinsicht wirklich früher einiges besser, aber liegt das wirklich daran, das früher generell alles besser war oder liegt das mehr an der Einstellung der Menschen von heute? Es liegt ja an jedem selbst wie viel man mit seinen Kindern unternimmt und was man ihnen ermöglicht. Denn auch wenn nur wenig Geld vorhanden ist, kann man mit viel Liebe und Zuwendung einiges erreichen.

11 Kommentare zu „Früher, ja früher…“

  1. Dann ist grad mal wieder bei uns „früher“. Meine Kids spielen am liebsten in den Schlammpfützen. Mutti hat ja ne Waschmaschine.

  2. Und wenn es keine Pfützen gibt, dann werden halt welche hergestellt oder andere Dinge zweckentfremdet.
    So spielte unser Leon heute morgen mit seinem Schmuseteddy in der Kloschüssel baden, während Mama und Papa nichtsahnend noch im Bett lagen.

  3. So, und da muss ich sagen … er ist noch allein, euer Mini-Pascal ist noch nicht mit von der Partie.
    😉

  4. Du glaubst doch nicht, dass da der eine seine „Teddybadewanne“ mit dem anderen teilen wird?
    Ihr habt aber sicherlich zwei Klos, oder?

  5. Schon, allerdings haben wir oben nur eins…
    Im Moment teilen sie noch gerne, heute zum Beispiel hat Leon seinen Lego-Feuerwehr-Quad dem Mini-Pascal ans Bett gebracht, damit er auch ein bisschen spielen kann…

  6. @all

    Hallo liebe Eltern,

    ich habe mich gestern ueber dieses Thema hier einmal mit meiner Mama (ich bin 43 und nenn sie noch immer Mama ) unterhalten… Sie erzaehlte mir nun mit ihren 73 Jahren was ich doch fuer ein kleiner Verbrecher gewesen bin… Haeuser im Wald bauen, Nachbars Huehner klauen und im Herbst (das Gras war trocken…)mal schnell den Wegesrand in Brand stecken…. und noch viele andere „Abenteuer“ haben wir erlebt!

    Aber auch so manches mal konnten wir dann, am Abend wenn Vater nach Hause kam, die naechste halbe Stunde nicht mehr auf unseren „4 Buchstaben“ sitzen weil er zu heiss war durch die Schlaege die dort gelandet waren!

    Heute bin ich mit meinen 43 Jahren ein erwachsener Mann, mein Vater ist schon einige Jahre tot… es gibt Leute die behaupten heute er haette mich geschlagen und mir damit geschadet…. aber ich behaupte: Er hat noch viel zu wenig zugelangt! Denn kein Schlag (waren alle nicht wirklich feste…) hat mir geschadet, aber was er mir beigebracht hat ist ein gutes Mass an Respekt und Vernunft. Denn ich traue mich, auch heute noch nicht, aeltere Menschen mit „Ehh Alter“ oder aehnlichem anzureden und ich weiss das es Leute geben die staerker sind wie ich…

    Aber das Wichtigste von allem:

    Ich weiss, dass wenn ich Scheisse baue, muss ich auch meinen Kopf dafuer hinhalten und die Konsequenzen dafuer tragen!!!

    Schoenen Gruss

    Guido

    Ps.: Ich habe selber (leider) keine Kinder, bin aber hier in unserer Gegend der Super-Onkel bei dem der schoenste Spielplatz ist, auch ohne Computer und Tv… denn hier kann man Moped, Co-Cart fahren und auch mal Scheisse bauen…. Unordnung gehoert dazu und eine Eier-Schlacht ist auch einmal ein Krieg!

    Aber sogar die Eltern finden es schoen (Bis auf das waschen der Kleider!)

  7. Lieber Guido,

    einerseits gebe ich dir absolut Recht, vor allem dass man lernen muss seinen Kopf für den Mist den man baut hin zu halten. Ob das nun aber unbedingt mit körperlicher Gewalt passieren muss (das sind Schläge für mich) ist fraglich.
    Ich denke, dass das früher schon noch eine andere Zeit war und ne andere Generation. Da gab es andere Erzeihungswerte…
    In deinem Fall mag es nicht geschadet haben ab und an mal eine hinten drauf zu bekommen, in anderen Fällen schadet es aber sehr wohl. Oft ist es so dass Kindern damit beigebracht wird Konflikte eben mit Gewalt zu lösen, manche Menschen haben im Erwachsenenalter Angst Gefühle und Berührungen zu zulassen was häufig auf die Kindheit mit Schlägen zurückzuführen ist.

    Aber im Großen und ganzen sind das wie gesagt zwei verschiedene Generationen, damals haben die Kinder eine auf den Poppes bekommen weil se echt scheiße gebaut haben, heute schlagen die Eltern drauf los, weil sie mit sich selbst und den Kindern überfordert sind.

  8. Schön das Du meinen Gedanken als Anregung genommen hast. Eigentlich wollte ich in meinem Artikel eine richtige Zeitreise begehen, bin dann aber in den 80-90er hängen geblieben. Irgendwann, wenn ich mal Zeit übrig habe, werde ich aber noch mal meine Nase tiefer in die Geschichte stecken.

    Dein letzter Satz beschreibt es sehr treffend. Leider nehmen sich viel zu wenige Menschen die Zeit dafür – und das war früher auch schon so. zwinker

  9. Irgendwie spielen die Kinder in den Leben der meisten Eltern leider nicht mehr die erste Geige, alles andere ist wichtiger, die Kinder laufen so nebenher halt mit… Das fängt schon damit an, wenn man mal einen Blick in manche Kinderzimmer wirft: Bett, Schrank – fertig!
    Keine Farbe, keine Wärme, keine Fantasie, keine Kreativität, keine Liebe – Abstellgleis eben.

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