Sarrazin – Mein erster Eindruck

Das ist nicht etwa der Titel eines neuen Buches von Thilo Sarrazin, nein, eher mein ganz persönlicher Eindruck des Buches „Deutschland schafft sich ab“. Zwar habe ich das Buch schon seit einigen Wochen hier bei mir Zuhause liegen, allerdings fehlt mir meist die Zeit um endlich mal anzufangen. Gestern nahm ich sie mir endlich mal und packte es immerhin die Einleitung zu lesen.

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Mein erster Eindruck: Dieses Buch ist wohl nicht für jedermann! Sarrazin verwendet einen sehr anspruchsvollen Schreibstil, mit dem sehr wahrscheinlich viele nichts anfangen können auf Grund von Nichtverstehens des Geschriebenen. Sehr direkt und mit einem Hauch Ironie packt er es an und erklärt uns wie wir uns selbst vernichten.

Nicht überraschend fand ich seine Ausführungen zur durchschnittlichen Geburtenrate in Deutschland. Dass diese sich in den letzten 40 Jahren halbiert hat ist wohl ein erstes Indiz dafür, dass unser Land schrumpft. Hinzu kommt laut Sarrazin, dass vor allem die intelligenteren Menschen weniger Kinder bekommen, wodurch die durchschnittliche Intelligenz unseres Landes ebenfalls sinkt.

Einige werden sich jetzt bestimmt angesprochen und demnach angegriffen fühlen nach dem Motto, nur weil ich ein Kind bzw. Kinder habe bin ich dumm? Wer an dieser Stelle tatsächlich diesen Gedanken hegt, nun, der fühlt sich wohl auch zu Recht angesprochen.

Die fleißige Arbeiterbevölkerung, die Deutschland in der Nachkriegszeit aufgebaut hat, ist nun so langsam am Aussterben. Die Menschen geben für ihr eigenes Versagen immer mehr der Gesellschaft schuld, als sich selbst mal an die eigene Nase zu packen.

Wer nicht lernt, bleibt unwissend. Wer zuviel isst, wird dick.

Aber anstatt das so zu sehen schiebt man sein fülliges Körpergewicht lieber auf die Vermutung, dass das Hartz IV nicht ausreiche um sich gesund zu ernähren und man deshalb gar keine Chance hätte schlank zu sein.

Viele weitere interessante Themen werden in dem Buch aufgegriffen, auf die ich mich jetzt schon freue. Die oben genannten allerdings haben mir bisher am meisten imponiert, weil sie sich in der Tat mit meinen eigenen Gedankengängen decken.

Ein sehr schönes Zitat möchte ich zum Schluss allerdings noch erwähnen, da es die Situation in Deutschland wohl sehr passend beschreibt:

  • Heimatverbunden? Aber gerne!
  • Lokalpatriot? Natürlich!
  • Europäer? Sowieso!
  • Weltbürger? Klar doch, das gehört sich so!
  • Deutscher? Nur bei der Fussballweltmeisterschaft, sonst eher peinlich!

4 Kommentare zu „Sarrazin – Mein erster Eindruck“

  1. Das Buch liegt auch schon seit einigen Wochen auf meinem Nachttisch. Habe am Anfang gleich festgestellt, für kurz vorm Schlafen-gehen lesen ist das zu komplex geschrieben. Allerdings fehlte mir bisher die Zeit, es wirklich zu lesen, bin nicht über die ersten paar Seiten hinausgekommen.

    Allerdings bin ich dennoch gespannt auf den Inhalt des Buches, wenn ich die Zeit dafür finde. Viele Leute regen sich auf, ich finde, man darf sich erst aufregen bzw. zustimmen, wenn man es tatsächlich gelesen hat.

  2. Das sehe ich genauso wie du, man sollte wirklich noch „wach“ sein um das Buch zu lesen.

    Viele wissen gar nicht um was es in dem Buch geht, und regen sich einfach mal darüber auf um mitreden zu können. Würden sie das Buch lesen und zudem noch verstehen (was ja leider auch nicht immer der Fall ist) wären sie vielleicht schon ganz anderer Meinung.

  3. Es gibt inzwischen übrigens mehr als eine Untersuchung darüber, dass Sarrazin es mit seinen Quellen und der Statistik nicht immer ganz genau nimmt.
    Der Punkt mit der Intelligenz braucht uns übrigens solange überhaupt keine Sorgen machen, solange keine Chancengleichheit herrscht. Es gilt als unbestritten, dass etwaige genetische Einflüsse auf die Intelligenz erst bei optimaler Förderung aller Kinder zum Vorschein kommt.

  4. Vielleicht sollte ich meine Aussagen präzisieren: der Vorwurf an Sarrazin ist nicht, WIE er die statistischen Daten interpretiert hat. Wie Du zurecht anmerkst, ist das nicht immer eindeutig. Auch geht es nicht wirklich um Datenmanipulation. Vielmehr hat er die Mathematik durcheinander gebracht. Überspitzt gesagt hat er Multiplikation und Addition verwechselt.
    Dadurch ist nichts grob falsch wiedergegeben, allerdings wirken manche Trends stärker, als sie sind.

    Über die Quellen, die Sarrazin verwendet hat, könnte man noch einiges sagen. Ich wollte aber eigentlich darauf hinaus, dass die Lage nicht so schwarzweiß ist, wie sie bei Sarrazin scheint.

    Solange man selbst für sich verantwortlich ist, spielen eben Umweltfaktoren eine größere Rolle als Vererbung. Also Dinge wie Elternhaus (wird vorgelesen u.ä.), Einkommen, Ernährung, Schule, Kitaplatz, Freundeskreis etc. Beispielsweise macht es durchaus einen Unterschied, ob man in Bremen oder Bayern zur Schule geht. Da kann der Bremer so selbstverantwortlich sein, wie er will – die Ausbildung ist nicht die gleiche.

    Das streitet Sarrazin übrigens gar nicht ab. Er verschweigt es noch nicht einmal. Er schiebt es durch seine Sprachwahl nur so in den Hintergrund, dass ein falscher Eindruck entsteht.

    In einer idealen Welt könnte man sich eventuell wegen der erblichen Einflüsse auf die Intelligenz sorgen machen. Bis dahin könnte man sich aber dringender um sanierte Schulhäuser, genügend Vertretungslehrer und dergleichen kümmern, anstatt sich sorgen zu machen, dass die Deutschen zu dumm werden.

    Und ob Kinder wirklich für sich selbst verantwortlich sind und bis zu welchem Maß man selbst Einfluss auf Umwelteinflüsse hat, sind sowieso noch andere Fragen

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