Deutsche Einheit – Profitabel nur für Ostdeutschland

Eine starke Behauptung wie ich finde, über den sich ein nicht kleiner Teil der Deutschen nun sicherlich echauffiert. Vor allem der Teil der Deutschen, der aus dem im Titel benannten Teil Deutschlands stammt.

Aber so ganz ohne ist diese Behauptung nicht mal, sondern tatsächlich mit Zahlen und Fakten zu belegen, zur Freude vieler Westdeutschen wahrscheinlich, die auch ohne Offenlegung dieser Tatsachen schon immer dieser Meinung waren.

Das reale (also inflationsbereinigte) Volkseinkommen pro Kopf ist in Deutschland gegenwärtig gut fünfeinhalbmal so hoch wie dasjenige in der Bundesrepublik im Jahr 1950. Aber das Wachstum hat sich über die Jahrzehnte stark verlangsamt, und so ist das reale Volkseinkommen pro Kopf in Gesamtdeutschland nicht höher als das in Westdeutschland im Jahr 1990.

Gemessen am realen Volkseinkommen pro Kopf ist der Wohlstand in der westdeutschen Bundesrepublik während der fünfziger Jahre explodiert, in den sechziger Jahren erheblich gewachsen, in den siebziger und achtziger Jahren aber nur noch maßvoll und zunehmend langsamer gewachsen.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat Ostdeutschland im wiedervereinigten Deutschland stark aufgeholt, aber das gesamtdeutsche Wohlstandsniveau hat – gemessen am realen Volkseinkommen pro Kopf – 20 Jahre nach der Wiedervereinigung gerade einmal das westdeutsche Niveau von 1990 erreicht.

Dieser statistische Befund passt gut zu den konkreten Erfahrungen der westdeutschen Bevölkerung. Generell sind die Realeinkommen breiter Schichten in den letzten 20 Jahren eher gefallen als gestiegen.

Zitatquelle: Deutschland schafft sich ab – Thilo Sarrazin

Desto länger ich Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin lese, desto weniger kann ich eigentlich verstehen warum er mit diesem Buch in so enorme Kritik geraten ist. Zumal in meinen Augen die Kritik die ihm entgegengebracht wird absolut ungerechtfertigt ist. Sarrazin stellt in seinem Buch nicht irgendwelche belanglosen Behauptungen auf, sondern belegt das was er sagt durch Fakten und Zahlen.

Viele Dinge die er schreibt sind absolut nachvollziehbar und ebenso logisch – er erklärt sehr verständlich warum sich Deutschland in einer Krise befindet und vor allem erklärt er mehr als einleuchtend warum das erst der Anfang ist.

Für mich ist die Kritik nur durch drei Punkte zu erklären: der erste Teil der Kritiker hat das Buch nicht mal gelesen und stellt sich auf die Seite der Kritiker um überhaupt mitreden zu könne. Der zweite Teil versteht das Geschriebene auf Grund mangelnder Intelligenz nicht und interpretiert in das Geschriebene Dinge die dort in keinster Weise stehen. Und der dritte und letzte Teil hat einfach ein Problem damit dass er Fakten auf den Tisch legt von denen man einfach nichts hören will – die in des Kritikers Augen eher unter den Tisch gehören, weil man darüber halt nicht öffentlich spricht.

10 Kommentare zu „Deutsche Einheit – Profitabel nur für Ostdeutschland“

  1. Ich gebe es zu, ich habe das Buch nicht gelesen und ich werde es auch nicht lesen. So wie du argumentierst, haben vor einigen Jahrzehnten schon einmal Menschen argumentiert und am Ende lag Deutschland in Schutt und Asche.

    Mir ergibt sich aus deinen Zahlen oben auch nicht, wieso die Deutsche Einheit nur profitabel für Ostdeutschland ist. Sicher wurde durch den Soli die Infrastruktur in Ostdeutschland verbessert, aber es gab eben vorher keine gute. Dafür sollte man aber nicht vergessen, dass die Betriebe, die nach der Wende noch Funktioniert haben, von Westdeutschen Unternehmern aufgekauft und in großen Teilen auch ausgeplündert haben. Hinzu kommt, dass die Ostdeutschen für die selbe Arbeit nicht das selbe Geld bekommen. Dann ist die Arbeitslosigkeit sehr viel höher, als in Westdeutschland…..

    Sag mir bitte, wodurch profitieren die Ostdeutschen denn nun?

  2. Ich bin schon schockiert wie Leute sich auf Fakten beziehen können die nicht zu Ende bzw. vollständig vorgelegt werden.

    Ja warum ist denn der Wohlstand in den 60zigern so stark gewachsen? Eventuell weil die „Ossis“ 1961 einfach weggesperrt wurden wie Vieh? Und das ganze Geld, welches ja eigentlich allen Bundesbürgern zugestanden hat, nur noch an die „Wessis“ zugute kam? Millionen von „Wessis“ die sich auf einmal auf Kosten von ca. 17 Millionen „Ossis“ gesund gestoßen haben. Oder was denkst du wo das ganze Geld auf einmal her kam. Herzlichen Glückwunsch!

    Seit 20 Jahren echauffieren sich die „Wessis“ darüber das die „Ossis“ Ihnen das Geld, die Arbeit ect pp klauen, aber hat sich mal einer darüber Gedanken gemacht, das die „Ossis“ Ihnen Jahrzehntelang den Wohlstand „überlassen“ haben und sich selber mit dem Minimum an Wohlstand zufrieden geben mussten? Ja mussten, denn keiner wollte es so!

    Ich kann es einfach nicht nachvollziehen und es macht mich auch traurig, wie sich Menschen so von einem Buch beeinflussen lassen können ohne sich selbst einmal eingehend damit zu beschäftigen. Sicherlich gibt es in dem Buch auch Passagen denen ich voll und ganz zustimme, aber erst nachdem ich mich eingehend darüber informiert und mich selber damit auseinander gesetzt habe.

    Stelle dir mal vor es würde von heute auf morgen eine Mauer durch Deutschland gezogen werden und du würdest auf einmal, Minimum 10 Jahre, auf der „falschen Seite“ leben und dich würde dann jeder verurteilen ohne das du etwas falsch gemacht hast. Wie würdest du dich fühlen, wenn du, deine Kinder und dein Mann auf einmal die „blöden Wessis“ wären?

    Naja, aber den „Die blöden Ossis“ Dreck wird man wohl nie aus den Köpfen herausbekommen. 🙁

  3. @Pascal

    Keine Angst, ich weiß schon was Realeinkommen bedeutet.

    Wahrscheinlich habe viele bloß nicht verstanden, das Herr Sarrazin damit andeuten möchte, das die Wiedervereinigung Schuld an der ganzen Misere ist. Und damit natürlich die „Ossis“. Und genau darauf habe ich reagiert.

    Und man sollte bitte auch bedenken, das nicht nur die „Wessis“ den Sozi zahlen, sondern auch die „Ossis“. Und die „Ossis“ haben ja nur dadurch profitiert, weil in der DDR alles dem Staat gehörte ( Sie sich alles angeeignet haben ) und daher alles Modernisiert ect pp werden konnte. Im Westen konnte nicht viel Modernisiert werden, da alles in privaten Händen ist/ war.

    Ich denke das gerade die jetzige Generation sich endlich von diesem denken wegbewegen sollte. Wir sind doch alt und schlau genug um zu wissen das die „Ossis“ und „Wessis“ nichts mit der ganzen Sache zu tun haben. Das haben generell die Politiker beider Seiten „verbockt“.

    Aber jeder hat da seine eigene Meinung zu. Und genau für diese Meinungen wurden Blogkommentare erfunden. 😉

  4. Pascal, da steht drinne das die Ossis stark aufgeholt haben, im Punkto Realeinkommen. Die Frage ist nur, kann man das denn vergleichen? Im Osten war vieles günstiger, weil das System anders funktioniert hat. Man hat keinen 500 Euro Miete bezahlt, man hat 100 Mark Miete bezahlt, in der Kaufhalle waren die Produkte günstiger, dass heißt, man konnte sich mit seinem geringeren Einkommen, gemessen am Westdeutschen Standard, mehr leisten. Rechnet man das jetzt mal um, dann ist das Einkommen, gemessen an dem, was man sich jetzt davon kaufen kann (auch wenn natürlich das Warenangebot nach der Deutschen Einheit gestiegen ist), so ist das nur minimal mehr. Das liegt zum einen daran, dass man erstens weniger Geld bekommt für die gleiche Arbeit und zum anderen, dass viele ihr Gehalt aufstocken müssen, bzw. Arbeitslos sind.
    Da mag das Realeinkommen im Vergleich zum Westen also stark gestiegen sein, die Frage ist halt, ob man das alles wirklich vergleichen kann. Es werden hier nämlich zwei verschiedene Systeme verglichen, die man nicht vergleichen kann.

  5. Also noch eine kleine Erweiterung, man könnte es nur dann vergleichen, wenn man die tatsächliche Kaufkraft der DDR Bürger in der DDR ermittelt und diese zugrunde legt und nicht die Kaufkraft ermittelt, die ein ehemaliger DDR Bürger, nach 1990 in der Bundesrepublik hatte. Und ich glaube nicht, dass dies in diesen Zahlen berücksichtigt wurde.

  6. Pascal eben nicht, natürlich muss man die gleichen Zeiträume miteinander vergleichen. Wenn ich also die Kaufkraft (Realeinkommen ist ja nur ein Index für die tatsächliche Kaufkraft) von vor 1990 vergleiche, dann muss ich sowohl die Kaufkraft der BRD-Deutschen und der Bürger der DDR vergleichen. Diesen muss ich dann 1990 auch zu Grunde legen und schauen, inwieweit die Kaufkraft der DDR Bürger gesunken ist, im Vergleich zur DDR und dann kann ich erst vergleichen, ob die Ostdeutschen wirklich profitiert haben oder eben nicht.
    Ich kann nicht den einen Zeitraum für die ansetzen, die schon immer in der BRD gelebt haben und diesen Zeitraum dann für die anderen unterm Tisch fallen lassen. Dann kann man es eben nicht vergleichen. Ich kann ja für einem ehemaligen DDR Bürger nicht die Preise der BRD ansetzen, sondern muss erst mal schauen wie die Preise in der DDR waren. Dadurch, dass die Preise in der BRD meist höher waren und das Geld der DDR Bürger weniger wert war, was zu einem Wechselkurs von 1:2 geführt hat, hat der DDR Bürger nach der Wende erst einmal an Kaufkraft verloren. Dieses müsste man in Prozent ausdrücken und dann müsste man erst einmal schauen, wann dieses Level der Kaufkraft wieder erreicht wurde. Erst wenn die tatsächliche Kaufkraft überschritten wird, die die Bürger in der DDR hatten, kann man diesen Prozentsatz nehmen, und ihn mit der Steigung der Westdeutschen Bundesländer vergleichen.

    So und dann zum Mietspiegel, sicher ist er günstiger, aber wie schon gesagt, Menschen die in den neuen Bundesländern arbeiten bekommen auch nicht den selben Lohn wie die Bürger aus den Westdeutschen Bundesländern und das, obwohl sie die selbe Arbeit verrichten. Dass heißt, viele haben bis zum 20 Prozent weniger zum Ausgeben, da bleibt also am Ende, nach der Mietzahlung, auch nicht wirklich mehr zum Ausgeben.

  7. wie kann man denn Sarrazin als Quelle von Argumenten heranziehen! Das ist echt flach! Denn die wahren Gründe des Unterschieds werden nicht deutlich! *Dislike*

  8. Pascal,

    das Problem ist immer noch das du Äpfel mit Birnen vergleichst. Du musst schon auch das einbeziehen, was sich die DDR Bürger in der DDR leisten konnten. Wenn du dir in der DDR für 1 Mark 4 Brote leisten konntest (ist jetzt übertrieben) und du dann nach der Wende nur noch ein halbes Brot für 1 DM bekommst, dann ist deine Kaufkraft gesunken. Und erst wenn man diese Kaufkraft wieder erreicht hat und dann darüber hinaus wächst, erst dann kann man davon sprechen, dass man von etwas profitiert. Du kannst doch nicht einen Teil der Bevölkerung ausblenden um die Kaufkraft zu berechnen und ihn dann wieder heranziehen, um einen Vergleich zu ziehen.
    Du kannst nicht nur die letzten 20 Jahre Isoliert nehmen, denn dann darfst du das ganze auch nicht mit den 50igern, 60igern, 70iger und 80igern vergleichen, dann musst du wirklich die zahlen von 1990 nehmen und nur diese Kaufkraftentwicklung nehmen, dann müsste man aber auch den Rückstand zur BRD mit einbeziehen, welchen die Ostdeutschen Länder ja erst einmal aufholen mussten und das hier dann eine stärkere Steigung herauskommt, dass ist kein Wunder, schließlich haben die Ostdeutschen ja 1990 bei Null angefangen. Dann hat man aber immer noch nicht Profitiert von irgendwas, sondern nur stärker aufgeholt. Die neuen Bundesländer mussten in dieser Zeit ja auch erst einmal neue Arbeitsplätze aufbauen, welche in den alten Bundesländern schon vorhanden waren, man musste neue Betriebe finden, die investieren, neue Werte schaffen. Und das geht in einen Land, in dem noch gar nichts vorhanden ist, nun einmal schneller, als in einem Land das sich schon seid den 50igern im Kapitalismus befindet und in welchem schon in den 50igern diese Entwicklung stattgefunden hat.
    Was du machst ist bloßes schauen auf die Zahlen ohne die Hintergründe zu beleuchten. Du gehst davon aus, dass die Ostdeutschen 1990 auf den selben Stand waren, wie die Westdeutschen und diese Annahme an sich ist schon falsch.

  9. Vielen Dank für das viele Feedback. Überraschend finde ich mal wieder die vielen Emotionen die hier bei einigen hochkommen, wobei der Artikel völlig frei von Emotionen geschrieben ist.
    Interessant finde ich vor allem die Emotion von iTinky, du schimpfst darauf dass das mit dem „Die blöden Ossis“ Dreck nie aufhört, bist hier aber die einzige, die die Wörter Wessi und Ossi überhaupt verwendet. Keine hat hier in irgendeiner Art behauptet Ostdeutsche wären blöd, wie schön du interpretieren kannst wissen wir nun. Ich nehme an, du gehörst zur Kategorie 2 der Kritiker 😉
    @Sven, vielleicht solltest du das Buch doch mal lesen, es ist wirklich sehr interessant, und du wirst sehen, dass die Themen die du ansprichst, tatsächlich in die Argumentationen mit einbezogen werden. Auf ca. 461 Seiten wird etwas sehr interessantes dargestellt, lediglich auf einer Seite davon geht es um Ost-West, allerdings nicht als Begründung dafür dass es Deutschland so schlecht geht.
    Warum habe ich dann dieses Thema gewählt und nicht eins der anderen 460 Seiten? Weil es einfach schön anzusehen ist wie die Gemüter anfangen zu kochen wenn es ums Thema Ost-West geht 😉

    Was mich betrifft, auch wenn es irrelevant ist, so habe ich sowohl Familie im Westen als auch im Osten, bin sozusagen ein Mischling, weiß also um was es im Osten und auch im Westen ging 😉

  10. Ich mag das Wort „profitabel“ nicht im Zusammenhang mit dem Leben im Osten in den Mund nehmen, wenn ich auf die dauerhaft höheren Arbeitslosenzahlen schaue, wenn ich mir das noch immer gewerkschaftlich und staatlich abgesegnete tiefere Lohnniveau anschaue. Da bleibt mir der Wunsch übrig, im Westen zu bleiben, so herrlich dort auch die Plattenbauten wieder hergerichtet werden.

    Nein, die Ostbürger haben noch immer die deutsche Regierungsarschkarte vor Augen. Mit dem „Einmarsch“ des Westens nach der Grenzöffnung wurden alle funktionierenden Konstrukte vernichtet. Nur ein einziges Beispiel von Hunderten: Kindergartenplätze für jedes Kind, egal wann die Eltern arbeiteten, denn sie hatten Arbeit. Diese Arbeitsplätze wurden schlichtweg von einem Tag zum Anderen aufgelöst, weil westdeutsche Betriebe eingefallen sind wie die Heuschrecken oder die staatliche Auflösungsbehörde zuschlug.

    Funktionierende Kraftwerke wurden abgeschaltet, die komplette Belegschaft gefeuert und die Stromlieferung an die westdeutschen Großkonzerne vergeben. Die ehemalige DDR wurde aufgeteilt unter denen, die sich schon bei Grenzöffnung die Hände rieben. Das verschweigt der Herr mit dem Buch.

    Abgesehen davon sind ein Teil der Statistiken so nicht interpretierbar. Aber das weiß jeder, der sich mit Statistiken beschäftigen kann. So kann ich problemlos mit den mit vorliegenden Zahlen der Statistischen Bundesamtes alles „beweisen“, was ich nur will.

    Insofern ist es gefährlich, zu glauben, was der Autor da von sich gibt. Es braucht für Verschwörungstheorien einen wachen Verstand, der nachforscht, was Wirklichkeit ist.

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