Leseprobe: Der Anfang vom Ende

Leseprobe: Der Anfang vom Ende

Es war nachts, kurz nach halb zwei, als das Telefon uns aus dem Schlaf riss. Niemand musste etwas sagen, denn es war klar, dass dies der Anruf war, den ich so sehr fürchtete. Während P., mein Mann, im Nebenzimmer ans Telefon ging brach in mir eine Welt zusammen. Nun lag ich da, zusammengekauert im Bett und ich konnte meinen Schmerz und meine Trauer nicht halten. Die Tränen schossen mir aus den Augen, ich schrie innerlich, doch es konnte niemand hören, denn der unerträgliche Schmerz schnürte mir die Luft ab. Warum? Warum ich? Warum jetzt? Wut machte sich in mir breit, Wut auf das Leben, Wut auf Gott, Wut auf mich selbst. Doch die Schmerzen waren stärker und erstickten meine Wut in einem Meer von Tränen.

„Zieh dich an und lass uns fahren“ sagte P. als er zurück ins Schlafzimmer kam, doch ich konnte nicht, ich war einfach zu schwach. Jegliche Kraft, jeglicher Mut hatte meinen Körper schlagartig verlassen. P. nahm mich in seine Arme und umschloss mich fest. So saßen wir da eine ganze Weile und ich konnte meinen Gefühlen freien Lauf lassen

„Was ist passiert?“ fragte ich ihn. Er schaute mich an, tief in meine Augen, und antwortete: „Er ist tot!“ Nun war es klar, jegliche Hoffnung, die ich noch hatte, verschwand mit diesen Worten. Leere machte sich in mir breit, eine unbeschreibliche Leere. Es war mir vorher bereits klar, ich wusste dass diese Worte fallen würden, lange bevor sie ausgesprochen wurden. Doch die Gewissheit sie nun zu hören machte alles Endgültig.

Wir zogen uns an, setzten uns ins Auto und fuhren los. Die Fahrt durch die Nacht kam mir vor wie eine Ewigkeit. Bilder schossen mir durch den Kopf. Bilder der letzten Stunden, der letzten Tage, der letzten Wochen, der letzten Monate, der letzten Jahre. Soll das nun wirklich alles der Vergangenheit angehören? Warum ausgerechnet jetzt? Wir hatten doch noch so viel vor uns. Ich konnte die Bilder der Vergangenheit, die Erinnerungen, gepaart mit diesem unendlichen Schmerz, den ich empfand, einfach nicht verdrängen, und im Radio lief die ganze Zeit das selbe Lied ‚Apologize’. Jedenfalls kam es mir so vor.

P. und ich redeten während der ganzen Fahrt kein Wort. Was hätten wir auch sagen sollen? Hierfür gab es keine Worte. Ich versuchte immer wieder positive Erinnerungen in mein Gedächtnis zu rufen, doch es gelang mir nicht. Ich sah immer wieder die gleichen gemeinen, schmerzenden Bilder. Würde ich jemals wieder an etwas anderes denken können? Gleichzeitig machte ich mir Vorwürfe, denn ich war nicht bei ihm als es passiert ist, ich hatte mich nicht mal von ihm verabschiedet.

Dies war eine kleine Leseprobe aus meinem ersten selbst geschriebenen Buch, welches ich hoffentlich bald fertigstelle und dann auch veröffentliche.