Gedanken voller Trauer

Gedanken voller Trauer

Heute bin ich etwas nachdenklich gestimmt und habe einen großen Ruck gebraucht um mich überhaupt in Richtung meiner Tastatur zu bewegen. Doch was bringt es wenn man die Sachen in sich rein frisst, es betrübt einen doch nur noch mehr…

Mein Opa ist tot! Er ist gestern im Alter von 81 Jahren gestorben, alleine, in einem Pflegeheim.

Es stimmt mich natürlich sehr traurig, denn mein Opa war ein toller Mensch – er hatte einen unvergleichbaren Humor, zwar manchmal etwas schwarz, ich aber konnte über seine Witze immer lachen. Meinen Humor habe ich definitiv von ihm.

Auf der anderen Seite allerdings bin ich erleichtert und irgendwie auch glücklich darüber, dass er endlich tot ist! Einige denken jetzt bestimmt man wie ist die Alte denn drauf – kaum ist der Opa tot freut se sich, dass sie die Kapitallebensversicherung ausgezahlt bekommt. In vielen Fällen mag das sicher so sein, dass nach dem Tod alle nur noch an das Erbe denken – der Verstorbene ist kaum unter der Erde gehen die Streitereien los.

Im Falle meines Opas wird das allerdings nicht so sein, er hat meines Wissens alles per Testament regeln lassen. Er allein hat zu Lebzeiten bestimmt wem er was vermachen möchte. Und das ist auch gut so, denn in diesem Testament stehen hoffentlich seine Lebensgefährtin (die in der gesetzlichen Erbfolge nicht berücksichtigt werden würde) und meine Tante, die sich bis zu letzt immer um ihn und seine Belange gekümmert hat, an oberster Stelle.

Aber warum macht mich sein Tod nun glücklich?

Mein Opa hatte im Sommer vor drei Jahren einen schweren Hirnschlag mit immensen Einblutungen. Damals dachten wir schon dass es das war, doch er überlebte es. Danach war er allerdings nicht mehr der Alte – er war ein absoluter Pflegefall! Seine Wohnung musste aufgegeben werden und er kam in ein Pflegeheim mit rundum Betreuung. Das Leben was er dort nun lebte konnte man als Leben nicht mehr bezeichnen. Er lag nur noch da, man musste ihn füttern, er konnte nicht mehr laufen, er konnte gar nichts mehr. Nicht mal wirklich reden konnte er noch, ab und an kam Wirres Zeug – wirklich ansprechbar war er auch nicht mehr. Oft fragte man sich, ob er es überhaupt realisierte wenn man ihn besuchte.

Die Kosten für so ein Heim, für eine solche Betreuung die er benötigte waren enorm. Trotz Härtefall-Einstufung in der Pflegestufe reichte seine recht hohe Basisrente für die Zuzahlungen die geleistet werden mussten nicht aus. Doch unser Opa hatte etwas besseres verdient, als diese unpersönliche, teils lieblose Pflege immer wieder wechselnder Schwestern. So riss meine Tante sich buchstäblich den Arsch auf um ihn nahezu täglich zu pflegen, zu füttern – um ihm ein wenig Vertrautes, ein wenig Zuhause zu bringen. Und das obwohl sie selbst noch berufstätig ist, ihren Kindern bei der Betreuung ihrer Enkelkinder unter die Arme greift  und bis vor kurzem selbst noch einen schwer kranken Mann zu Hause hatte.

Auch wenn meine Tante ihren Vater bestimmt noch Jahre weiter gepflegt hätte, und das gerne, so bin ich froh, dass es endlich ein Ende hat. Ich bin froh, dass mein Opa von diesem unwürdigen Leben endlich erlöst wurde – er hatte es nicht verdient so dahin zu vegetieren. Er war in seinem Leben bereits gestraft genug, durch den grünen Star war er vollkommen erblindet (ich kannte ihn gar nicht anders), er hörte schlecht, wurde am Herzen operiert – doch er nahm alles mit Humor, akzeptierte sein Handicap und machte das Beste draus und das über 30 Jahre lang.

Manchmal wünschte ich mir, er wäre vor 3 Jahren als er den Hirnschlag hatte, besser direkt gestorben, denn dann hätte ich ihn als den lustigen, quirligen Knopf in Erinnerung behalten der er damals mal war. Heute wenn ich an meinen Opa denke sehe ich einen schwer kranken Mann vor mir, der hilflos in diesem Bett liegt und auf traurigste Weise vor sich hin vegetiert.

Aus Erfahrung mit dem Tod meines Vaters weiß ich, dass nach einer gewissen Zeit die positiven Erinnerungen wieder überwiegen, dass die schlechten und traurigen Erinnerungen zwar bleiben aber dennoch in den Hintergrund geschoben werden.

Ich finde es traurig dass meine Söhne weder ihren Opa noch ihren Ur-Opa je kennen lernen werden – zwei Männer, die ihrer Mutter, mir so verdammt viel bedeutet haben.

Das Leben ist manchmal so ungerecht…