Montag , 11 Dezember 2017
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PID in Deutschland? Wohl eher nicht…


51% der Stimmen sprachen sich heute auf dem CDU-Parteitag für ein Verbot der PID aus. Doch was ist eigentlich eine PID, und was ist so verwerflich an ihr?

PID, kurz für Präimplantationsdiagnostik, ist eine Form einen Embryo auf Erbkrankheiten und Chromosomenanomalien zu untersuchen bevor er in den Mutterleib nach künstlicher Befruchtung eingesetzt wird. Hierbei soll die Entscheidung erleichtert werden, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder eben nicht.

Die Untersuchung selbst soll Menschen mit Erbkrankheiten in ihrem Kinderwunsch unterstützen. Viele Menschen verzichten auf Nachwuchs, weil sie Erbkrankheiten nicht weiter vererben möchten. Bei einer PID könnte man dies ausschließen, indem man nur gesunde Embryonen in die Gebärmutter einpflanzt.

Gegner dieser Methode argumentierten mit es verstoße gegen das Recht am Leben, es sei mit der Heiligkeit des Lebens unvereinbar. Es dürfe nicht in den Händen von uns Menschen liegen ob ein Wesen die Möglichkeit zu Leben bekomme oder man es ihm versage.

Ein Satz von der parlamentarischen Umweltssekretärin Ursula Heinen-Esser sollte hier allerdings zu denken geben:

“Wir dürfen Kinder untersuchen und abtreiben, aber nicht die Zelle.”

Genau so sehe ich das auch. Entscheiden sich werdende Eltern gegen ein krankes oder behindertes Kind, dann werden sie es tun, auch wenn es bereits eingepflanzt ist. Sie haben noch immer die Möglichkeit eine Chorionzottenbiopsie oder eine Amniozentese  durchführen zu lassen um das Kind im Fall der Fälle dann abtreiben zu lassen. Die Chance aufs Leben wird der Zelle, dem Kind demnach so oder so genommen.

Desweiteren könnte man durch diese Methode eine Vielzahl an Fehl- und Totgeburten verhindern. Es gibt Erbkrankheiten und Chromosomenanomalien wo man vom ersten Moment an weiß, dass die Kinder keine Überlebenschance haben. Warum muss man Frauen erst durch diese Hölle schicken, wenn man dies mit einer PID verhindern kann. Vor allem weil es sich bei den Frauen, die für eine PID in Frage kämen um Überträger von Erbkrankheiten handelt und sie somit bereits ein erhöhtes Risiko haben.

Ich finde wenn man eine PID in Deutschland verbietet, so muss man auch Chorionzottenbiopsien, Amniozentesen und Abtreibungen in Deutschland verbieten. Bei Abtreibungen wird nämlich nicht in die Chance sondern bereits ins vorhandene Leben eingegriffen.

Es ist also verwerflich einer Mutter mit Hilfe einer PID die Angst zu nehmen überhaupt mit einem schwer kranken Kind schwanger zu werden, aber es ist völlig OK Abtreibungen zuzulassen für die es nicht mal eine medizinische Notwendigkeit gibt, weil die betroffenen Frauen oder Mädchen ungeplant schwanger wurden.

Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion anleiern, ob es moralisch verwerflich ist sich bewusst gegen ein behindertes Kind zu entscheiden. Jeder der über eine solche Entscheidung urteilen möchte, sollte sich zunächst in einer solchen Situation befunden haben um überhaupt zu wissen wovon er eigentlich redet.

Ich bin mir sicher, dass einige Menschen mit behinderten Kindern, sich gegen Ihr Kind entschieden hätten, wenn sie bereits am Anfang der Schwangerschaft oder gar vor der Schwangerschaft davon gewusst hätten.

Ich spreche mich ganz klar für die PID aus und auch für Abtreibungen, die aus medizinischer Sicht zu argumentieren sind – spreche mich allerdings gegen Abtreibungen aus nur weil man mal eben kein Kind möchte, dann muss man eben verhüten.

Ich selbst habe aus medizinischer Notwendigkeit heraus bei meinen beiden Söhnen zum einen eine Chorionzottenbiopsie und zum anderen eine Amniozentese durchführen lassen – ich bin froh, dass ich die Entscheidung ein Kind wegen einer Behinderung oder schweren Erkrankung abzutreiben nicht fällen musste, da die jeweiligen Untersuchungen ohne negativen Befund waren.

Man sollte die Entscheidung doch bitte den Eltern überlassen, ob sie bei einer künstlichen Befruchtung eine PID durchführen lassen wollen oder nicht. Das Thema ist zu persönlich und zu intim um es am runden Tisch abzuarbeiten. Aber die Politiker machen es sich da sehr einfach, schließlich gehören sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu den Betroffenen die von einer PID profitieren könnten, indem man ihnen ein Fehl- oder gar Totgeburt erspart.

Bildquelle: www.ard.de






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