Mittwoch , 28 Juni 2017
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Jugendämter reagieren schnell


Jugendämter haben ja seit neustem, auch dank der Super Nanny, den Ruf weg, dass sie sehr spät – häufig sogar zu spät reagieren. Familien die sich Hilfe suchend ans Jugendamt wenden, werden oft ignoriert und erst eine TV Kamera kann diesen Zustand ändern. Doch ist das wirklich so schlimm, oder ist das wieder so eine Machenschaft von RTL ihre Nanny in ein gutes Licht zu rücken?

Eine Bekannte von mir erzählte mir heute genau vor drei Wochen, dass sie momentan mit ihren 3 Kindern (5 Jahre, 3 Jahre und 3 Monate) völligst überfordert sei. Die Kleinste hat ein Hüftdysplasie und auch neurologisch scheint bei ihr was nicht zu stimmen. Demzufolge rennt sie mit der Kleinen von einem Arzt zum Anderen und auch Zuhause benötigt sie eine Menge Pflege und Aufmerksamkeit. Die beiden Älteren kommen demnach etwas zu kurz, und das bekommt die Mama ordentlich zu spüren.

Der Älteste dreht gerade völligst ab und wird aggressiv, die Mittlere lebt nach dem Motto was der Große kann – kann ich schon lange.  Die Mutter selbst steht kurz vorm Nervenzusammenbruch und weiß sich nicht mehr zu helfen. Da sie schon mal unter enormen Depressionen litt, kennt sie die Anzeichen und merkt dass sie nun dringend Hilfe braucht.

Vor drei Wochen wandte sie sich also ans Jugendamt und erzählte mir, dass sie in der darauffolgenden Woche einen Termin habe. Ich hoffte für sie das Beste, war aber skeptisch ob sie tatsächlich auch schnelle Hilfe bekommen würde, da die Jugendämter für ihre “Nun-gut-wir-schauen-mal-Arbeitsweise” bekannt sind.

Heute traf ich meine Bekannte wieder. Im Gegensatz zum letzten Treffen vor drei Wochen wirkte sie richtig erholt, entspannt und ausgeglichen. Ich fragte sie wie es ihr denn ginge und ob sich an der Situation etwas geändert hätte. Sie erzählte mir überglücklich, dass der Termin beim Jugendamt super verlaufen wäre und sie schon seit bereits zwei Wochen eine Tagesmutter zur Verfügung gestellt bekommen hat, die ihr Zuhause bei der täglichen Betreuung  der Kinder hilft.

Sie kümmere sich fantastisch um das kleine Sorgenkind, so dass sie selbst wieder mehr Zeit für ihre beiden größeren Kinder hat. Auf der anderen Seite kümmere sie sich auch ganz liebevoll um die beiden Größeren, so dass sie selbst mehr Zeit hat für die Arztbesuche mit der Kleinen und auch mal ein paar Minuten am Tag für sich selbst.

Zusätzlich dazu kommt zwei Mal pro Woche eine professionelle Mitarbeiterin der Familienhilfe zu ihr, um ihr nicht nur im Umgang mit den Kindern sondern auch psychologisch unter die Arme greift und ihr dabei hilft problematische Situationen in denen sie sich überfordert fühlt zu meistern oder sie im Vorfeld bereits zu verhindern.

Noch vor drei Wochen hatte sie wahnsinnige Angst der Situation nicht mehr gewachsen zu sein, dass sie wieder in schlimmste Depressionen verfallen könnte und sie dadurch vielleicht sogar ihre Kinder verlieren würde. Heute allerdings war sie wie ausgewechselt und stand da mit neuem Selbstbewusstsein und voller Tatendrang.

Ich finde es sehr mutig von ihr, dass sie diesen Schritt gegangen ist, denn die wenigsten trauen sich über solche Probleme offen zu reden. Wer gibt schon freiwillig zu mit seinen Kindern überfordert zu sein? Ich finde es ganz toll, dass sie den Schritt zum Jugendamt gewagt und um Hilfe gebeten hat – auch hier scheuen sich die meisten nach Hilfe zu fragen.

Doch wie man sieht versucht das Jugendamt in keinster Weise sie als schlechte Mutter hinzustellen und die Familie womöglich zu zerreißen. Im Gegenteil, das Jugendamt reagierte verdammt schnell um Schlimmeres zu vermeiden und hilft der Familie wieder neu zusammen zu wachsen. Außerdem bestärkt das Jugendamt die Mutter darin, dass sie eine gute Mutter ist und sie sich nicht dafür schämen braucht, dass sie Hilfe benötigt – denn eine gute Mutter muss nicht alles alleine können, doch sie muss wissen wann es nötig ist nach Hilfe zu fragen. Und genau das hat sie getan.

Bildquelle: CFalk / pixelio.de






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7 Kommentare

  1. Das ist ja mal richtig schön! Man liest selten “gute” Geschichten über diese Ämter, umso schöner, dass es sie doch noch gibt! Muss sie denn etwas für die Tagesmutter bezahlen oder zahlt das der Staat? Jedenfalls wunderbar, wie es gelaufen ist!

  2. Sie muss keinerlei Zuzahlungen hierfür leisten. Sie benötigt die Hilfe und bekommt sie – fertig!

    Ich bin auch sehr froh darüber mal positiv über ein Amt berichten zu dürfen. Meist ist es ja so, dass erst etwas passieren muss und dann eingegriffen wird, indem man den Eltern die Kinder entzieht Ich glaube allerdings, dass sich die Leute einfach viel zu selten wirklich selbst beim Amt melden und deshalb auch keine Hilfe bekommen.

  3. Ich kann obiges Posting in einem ähnlichen Fall auch nur bestätigen! – Ich werde die sog. Super Nanny niiiie mögen.

  4. @Markus, schön zu hören, dass dies kein Einzelfall ist.

  5. Mich persönlich würde nun mal interessieren, ob es sich um eine Großstadt oder etwas kleineres handelt :)

  6. Naja, n Dorf ist es nicht grad, aber ne Großstadt ist auch was anderes… halt ne ganz normale Stadt mit rund 25.000 Einwohnern.

  7. Ok, der Landkreis hat rund 120.000 Einwohner und zählt daher zum Mittelfeld.

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