Montag , 11 Dezember 2017
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Hochbegabung bei Kindern


Irgendwie hört man in letzter Zeit immer häufiger von Eltern sie hätten ein hochbegabtes Kind. Die Gründe hierfür sind meist ihr auffälliges Verhalten, ihr schlechtes Benehmen und ihre Ungehorsamkeit welches laut den Eltern auf die Hochbegabung zurück zu führen ist. Auch wenn ein Kind irgendeine Sache bereits besser kann als seine Altersgenossen hört man die Eltern oft sagen, das Kind sei hochbegabt…

Auch ich beschäftige mich seit kurzem mit dem Thema, aber nicht weil ich glaube meine Kind sei hochbegabt, sondern weil ich immer häufiger darauf angesprochen werde, dass das nicht normal sei, dass mein Kind das in dem Alter schon könne. Im Turnen zum Beispiel waren die Trainerin und auch die anderen Mütter sehr erstaunt darüber, dass Leon bereits so gut und sicher rückwärts läuft und sehr sicher balanciert. Für mich allerdings ist das nichts besonderes. Leon läuft bereits seit einem Jahr rückwärts und tobt und springt überall drauf rum, balanciert auf Mauern wenn wir spazieren gehen und auf Gehsteigen.

Leon ist im allgemeinen sehr aktiv und experimentiert gerne rum, tobt und springt. Drinnen sein und vor dem Fernseher sitzen ist eben nicht so sein Ding, er ist lieber draußen und entdeckt sich und die Welt. Da probiert man eben zu klettern und auch mal rückwärts zu laufen, weil man es wo anders gesehen hat. Vor dem Fernseher auf der Couch tut man das halt nicht. So konnte Leon mit einem Jahr zwar noch nicht laufen, ist aber bereits Treppen ganz sicher nach oben und auch wieder nach unten gekrabbelt. Wir ließen ihm die Möglichkeit zu üben, hatten keine Treppengitter und zudem eine Stufe im Wohnzimmer die er alleine überwinden musste.

Auf der anderen Seite schockiert er mich manchmal allerdings schon mit seinem Können, wo ich mich frage woher kann der Zwerg das eigentlich? So spielt er zum Beispiel unheimlich gerne Memory und das in einer Geschwindigkeit und mit einem Selbstbewusstsein wo man als Erwachsener nicht nachkommt. Auf dem iPod, wo er begann Memory zu spielen hat er einen Rekord aufgestellt dem ich im Leben nicht geknackt bekomme. Auch beim Puzzlen ist er sehr talentiert, ein Puzzle für 4jährige stellt für ihn kein großes Problem dar.

Wenn er ein älteres Geschwisterchen hätte, dass ihm die Sachen vorgemacht hätte, dann würde ich sagen, ok, er hat es sich abgeguckt, Zweitgeborene sind ja eh in solchen Sachen meist schneller. Aber er ist ja der Ältere und hatte niemanden dem er das abgucken konnte… Nun puzzeln wir immer, spielen gemeinsam Memory und ich staune über seine enorme Selbstsicherheit.

Eigentlich habe ich mir dabei auch nie was gedacht, Kinder puzzeln halt gerne und spielen eben Memory. Doch der nachfolgende Satz im Buch Babyjahre von Remo H. Largo ließ mich dann doch etwas stutzen:

Puzzle und Memory

Im 3. Lebensjahr beschäftigt sich das Kind gerne mit Steckpuzzels. (Über das Stadium sind wir längst hinaus, Steckpuzzels spielt er höchstens noch wenn er es seinem kleinen Bruder beibringen will)Dabei passt es eine Form, beispielsweise eines Tieres, in die entsprechende Vertiefung der Vorlag ein. Im 4. Lebenjahr beginnt es einfache Zusammensetzspiele zusammenzufügen. (Das begann bei uns so um den 2. Geburtstag) Das Interesse und die Kompetenz sind dabei von Kind zu Kind sehr unterschiedlich entwickelt. Manche Kinder sind regelrechte Meister im erkennen von Details, die zusammengehören, sei es anhand der Form, Farbe oder Schnittstelle der Puzzelteilchen. (Bis vor ein paar Tagen war es bei uns die Schnittstelle, seit kurzem schaut er aber auch nach den Farben und den Bildern die durch das zusammenpuzzeln entstehen und hat dadurch ein wahnsinniges Tempo beim Puzzeln bekommen)

Einfaches Memory spielen Kinder erstmals mit 4 bis 5 Jahren. (In unserem Fall nicht mal 2,5 Jahre / Memory mit 20 Karten, 10 Bilderpaaren sind für ihn kein Problem) Dabei zeigen sie nicht nur erstaunliche Fähigkeiten beim richtigen Zuordnen der Bilder. In diesem Alter können sie sich auch die räumliche Position der Bilder außergewöhnlich gut merken. (Bei Leon unglaublich, einmal aufgedeckt vergisst er nicht mehr was drunter war) Darin sind sie manchen Erwachsenen überlegen, was ihnen großen Spaß und Genugtuung bereitet.

Dennoch glaube ich nicht an eine Hochbegabung, noch nicht! Er hat halt ein super Gedächtnis und kann Zusammenhänge sehr gut erkennen. Memorys die wir spielen haben Bilder mit Autos oder eigene Bilder aus der Familie, Sachen eben die ihn interessieren. An einem Memory mit Kreisen und Vierecken würde er mit Sicherheit keinen Gefallen finden. Auch die Puzzles haben Feuerwehr und Flugzeugmotive, Dinge eben für die er sich interessiert. Zur Guten Nacht gibt es ja auch eine Feuerwehr- oder Polizeigeschichte.

Außerdem ist er in anderen Bereichen seinen Altersgenossen hinterher. So sind die meisten Kinder in seinem Alter, die ich kenne, sprachlich um einiges weiter als er.

Man sollte seine Kinder immer genauestens beobachten und sie ihren Interessen entsprechend fördern, sie nicht in irgendwelche Schubladen drängen und ihnen mit Gewalt irgendetwas schnell beibringen nur damit sie es besser und schneller können wie die anderen., damit man sagen kann, das Kind sei hochbegabt – es kann mit 4 Jahren schon erste Sachen lesen und schreiben.

Wenn ein Kind hochbegabt ist, dann muss es gefördert werden, damit es nicht versumpft. Mir allerdings ist ein ganz normales Kind viel lieber. Ich freue mich über alles was meine Kinder können und dazu lernen, sei es früher oder auch später als die anderen. Kein Kind ist gleich und somit entwickeln sie sich auch vollkommen unterschiedlich.






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11 Kommentare

  1. Hallo,

    wir haben ja kürzlich einen Test gemacht (Ergebnisse bekommen wir allerdings erst noch), weil mein Sohn hier und da auch Anzeichen an den Tag legte, bei denen andere immer meinten, das sei “nicht normal”.

    Nun bin ich ja immer der Meinung, man sollte nichts hochspielen sondern erstmal laufen lassen.

    Sprachlich war mein Zwerglein bereits mit 8 Monaten ziemlich vorn mit dabei und hat sehr schnell auch in Sätzen gesprochen. In Sachen Sprache ist er laut zwei Kinderärzten auch nach wie vor um zwei bis drei Jahre “vor” und er sei im Kindergarten schlicht unterfordert und würde deshalb hier und da Quatsch machen usw.

    Ich persönlich hätte allerdings alles lieber “ganz normal”…bin auf die Ergebnisse gespannt. Kann aber die Ego-Übermuttis mit ihren “Mein Kind ist ja sooooo schlau” auch nicht so ganz verstehen und bin da eher abwartend… ;-)

  2. Ok, das frühe Sprechen bei deinem Zwerg ist halt auch wirklich sehr auffällig, man sagt ja immer das die Hochbegabten auch so Sprachbegabt sind ;-) Aber ansonsten bin ich auch erst mal für es laufen lassen, wenn man wirklich merkt dass was sehr auffällig ist, klar, dann muss man dran bleiben um das Kind auch zu fördern.
    Was die Sprache bei meinem betrifft, typisch Mann, eher kurze und prägnante Sätze ;-)

  3. Interessant ist dein Beitrag zu lesen. Eine Anmerkung möchte ich machen.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kinder, die sprachlich zurück scheinen, aber anderweitig unglaubliche Fähigkeiten zeigen, oft begabt sind, manche eben hochbegabt. ;)

    Liebe Grüße
    Tina

  4. Das wurde mir auch schon oft gesagt, auch dass er eben so einen überdurchschnittlich starken Bewegungsdrang hat würde darauf hinweisen

    Kommt Zeit kommt Rat, ich denke dass kann sich auch wieder legen und in ein bis zwei Jahren wieder ganz anders aussehen.

  5. auch bei Begabung gilt: Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten

  6. Ich kann mir ja sehr gut vorstellen, dass eine jede Mutter bzw. alle Eltern stolz auf ihr Kind sind und meint es ist etwas ganz besonderes. Für sie ist es das ja auch.
    Nur… bei der ganzen Hochbegabung frage ich mich, warum wir dann ständig so miserabelst bei den Pisa Studien abschneiden

  7. @Pascal: *lol* in dem Zusammenhang habe ich das noch gar nicht gesehen. Die älteren “Supertalente” sind dann aber diese Kinder, denen die Hochbegabung derart eingeredet wurde, dass es ja nur so sein kann.
    Aber sehen wir es mal so… hätten wir nicht so viele wahnsinnig hochbegabte Talente in *good old Germany* dann hätte es in den letzten Jahren bei solchen Shows nicht viel zu lachen gegeben

  8. Zum Glück lässt sich Hochbegabung ja anhand von IQ-Test ab einem bestimmten Alter messen. Es ist nämlich so, dass man als hochbegabt gilt sobald man einen IQ von über 130 hat. Mit einem IQ von über 115 gilt man als überdurchschnittlich begabt, was auch schon was heißen soll, da der deutsche Durchschnitt bei einem IQ von 90-110 liegt.
    Kinder mal zu einem IQ-Test zu schicken, weil die Mama so fest daran glaubt halte ich allerdings für mehr als schwachsinnig. Erst wenn der Kinderarzt, die Lehrer oder Kindergärtner, die täglich mit den vielen “hochbegabten” zu tun haben einen begründeten Verdacht äußern und das über einen längeren Zeitraum beobachtet, dann erachte ich IQ-Test bei Kindern als sinnvoll, da Hochbegabte wirklich eine besondere Förderung benötigen, da sie sonst sehr schnell unterfordert sind und Höchstleistungen in entgegengesetzte Richtung bringen.

  9. @Melvenue: Ich spreche jetzt einfach mal rückwirkend aus meiner eigenen Erfahrung, denn ich denke, dass das Ganze auch ziemlich schnell “nach hinten” losgehen kann. Zu unserer Zeit damals gabs so was natürlich noch nicht, da hat es sich schlicht und ergreifend nur anhand der schulischen Leistungen und der Persönlichkeit gezeigt. Und *schwup* schon stand das Kind auf der “Abschußrampe” der anderen Kinder, wurde gehänselt und nicht selten verdroschen. Wenn das Kind dann heute noch stolz verkündet “Ich bin hochbegabt”, wird wohl höchstens noch ein paar mal mehr drauf eingedroschen. Oder sehe ich das falsch?

    Ich denke, dass ungeachtet des IQs ein jedes Kind seinen Neigungen entsprechend gefördert werden sollte und unterm Strich dabei nicht vergessen werden sollte, dass es einfach auch Kind bleiben soll, seine Kindheit und die Phasen des heranwachsens ausleben und genießen sollte.

  10. Seh ich absolut genauso wie du. “Hochbegabte” oder einfach auch nur talentierte Kinder werden in der Schule schnell mal die verhassten Streberkinder, wobei die wirklich hochbegabten ja meist die mit den schlechten Noten sind und sitzen bleiben. Auch sollte jedes Kind entsprechend seinen Interessen gefördert werden.
    Wirkliche Hochbegabung ist ja auch mehr als selten, auch wenn sich viele Mütter wünschten ihr Kind wäre hochbegabt. Ich glaub die wissen gar nicht was das für Eltern und vor allem für das Kind bedeutet.
    Auch wenn viele zu mir sagen, “Ey Mel – lass mal nen Test machen, dein Kind ist in manchen Dingen viel zu weit entwickelt und ist mit Sicherheit hochbegabt”, so lass ich es einfach erst mal laufen, förder ihn ganz normal weiter, und hoffe dass mein Kind zum ganz normalen Durchschnitt gehört.
    Um es mal ganz bös auszudrücken, vielleicht ist mein Kind für viele auch nur so “besonders” weil er halt die Möglichkeit bekommt sich selbst zu entwickeln und auszuprobieren, er sitzt eben nicht vor der Klotze wie die meisten Kinder heute – klar dass diese Kinder einiges was für uns normal zu sein scheint eben noch nicht können und vielleicht sogar auch nie lernen werden.

    Es gibt verdammt viele Kinder die zur Schuluntersuchung mit 5 Jahren noch nicht sicher rückwärts laufen können. Und warum? Weil sie nicht die Möglichkeiten bekommen es sich anzueignen. Wer läuft schon beim Fernseh schauen oder beim Nintendo DS spielen rückwärts um den Tisch?

    Das Gehirn ist auch nur ein Muskel, der ständig trainiert werden möchte – und das in allen Bereichen.

  11. Wie wahr :-)
    Ich denke auch, dass Kind sein, wesentlich mehr beinhaltet, also nur vor den Fernseher, die Spielkonsole oder den Computer zu sitzen.
    Draußen toben, spielen, auf Bäume klettern, im Dreck buddeln usw. in unserer Kindheit war das an der Tagesordnung. Und wenn ich so zurückdenke, dann möchte ich heute kein Kind sein. So vieles, was für uns damals “normal” war, seltem einen geschadet hat und einfach nur Spaß gemacht hat, ist heute gar nicht mehr oder lange nicht mehr so möglich :-(

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