Freitag , 23 Februar 2018
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Durch die Hölle – Säuglingsintensivstation


Ständig sieht man Berichte darüber im Fernsehen, Berichte über das Leben auf einer Säuglingsintensivstation. Über das Bangen und Hoffen der Eltern. Über die Ängste. Über deren Hilflosigkeit.

Nichts muss schlimmer sein, als das frisch geborene Leben, das eigene Fleisch und Blut, das eigene kleine Baby zu sehen wie es an Schläuchen und Kabeln hängt gepaart mit der Ungewissheit was in den nächsten Tagen folgt. Der Ungewissheit ob es dem eigenen Baby gut geht, ob es durchkommen wird…. die Angst sein Kind so früh wieder zu verlieren, die unermüdliche Hoffnung, dass alles in Ordnung ist.

Immer wieder frage ich mich wie schaffen die Eltern das? Wie stehen diese Eltern das durch? Wie hart muss es für eine Mutter sein seinem Baby nicht die körperliche Nähe und Liebe geben zu können, die man dem Kind jetzt gerne geben würde? Wie machen die das, ohne verrückt zu werden?

Und  ich frage mich noch immer, wie habe ich das gemacht?

Nach 39 Wochen harter und schwerer Schwangerschaft, nach 17 Stunden höllischen Wehen, nach einem nicht gewollten Kaiserschnitt wurde auch mir alles Glück dieser Welt aus den Händen gerissen mit den Worten: Wir bringen ihr Kind jetzt erst mal auf Intensivstation, wir wissen nicht was es hat und ob es durchkommen wird. Wir warten jetzt erst mal die nächsten 24 Stunden ab und dann sehen wir weiter.

Während ich mich in den nächsten Stunden mit dem Gedanken befasste, dass ich mein Kind vielleicht nie wieder lebend sehen werde, arbeiteten die Kinderärzte auf Hochtouren. 6 Stunden später durfte ich endlich zu ihm, überall waren Schläuche, Kabel und Überwachungsgeräte…. Sie nahmen ihn aus seinem Bettchen und legten ihn mir in die Arme…. theoretisch hätten sie mir jedes Kind in die Arme legen und behaupten können es wäre mein Sohn, ich hätte es einfach glauben müssen. Er war so süß, trotz seiner enormen Schwellungen, nicht mal seine Augen bekam er auf, doch er war so süß, denn es war mein Sohn.

Ich schaute mich um, der ganze Raum war voller kleiner Kinder, die Schläuche und Kabel an sich hatten. Sie waren im Vergleich zu Leon alle so winzig, so zierlich…. Frühchen eben. Nur meiner war im Vergleich nicht zierlich und klein. Er war riesig und propper und man sah deutlich die Fragezeichen in den Gesichtern der andern Eltern: Was der Kleine wohl hat, dass er hier auf Intensiv ist?

Das war auch meine Frage, was hat mein Kleiner?

So verbrachten wir zwei Tage mit ihm auf Intensivstation. Zwei Tage in denen ich durch die Hölle ging. Während auf der Wöchnerinnenstation überall kleine Babys weinten, um mich herum lauter glückliche Mütter mit ihren Zwergen waren, weinte ich um mein Kind. Ich wollte es auch durch die Gänge schieben, meinen Freunden und Besuchern präsentieren. Doch ich musste warten. Warten auf die Untersuchungsergebnisse. Warten auf die Antworten der Ärzte. Warten, vielleicht auf ein Wunder!

Und Wunder geschehen! Der schönste Moment meines Lebens war wohl der, als die Kinderärzte mir mitteilten, dass ich meinen Leon noch an diesem Tag mit zu mir aufs Zimmer nehmen darf. Dass er hingegen allen Prognosen und Statistiken ein kerngesunder kleiner Bursche ist, der darauf wartet endlich mit seiner Mama ungestört kuscheln zu dürfen.

Ich glaube kein Mensch, der das nicht mitgemacht hat, kann nachempfinden wie sich Eltern auf einer Säuglingsintensivstation fühlen, was sie mitmachen und was sie durchstehen müssen. Es gibt auf der ganzen Welt keine Worte für das Glück, das man fühlt, wenn man diese Räume endlich gemeinsam mit seinem Kind verlassen darf!

Allen werdenden Eltern da draußen wünsche ich von ganzem Herzen, dass Ihr diese Erfahrung in Eurem Leben nie machen müsst!!!






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3 Kommentare

  1. Ich wünsche euch alles, alles Liebe…
    Ja so etwas ist das Schlimmste das einem passieren kann…
    Beruflich ist diese Thematik sehr präsent bei mir.

    Wie gesagt Däumchen drück Das ihr da nie wieder hin müsst… :)

  2. Manchen Menschen wünscht man sich, das sie mal eine Neonatologie von Innen sehen….
    wir haben die Erfahrung auch machen müssen. Statt Freudiger Muttergefühle, kam das Kind nach Geburt direkt auf die Neonatologie und dort blieb es. Und wurde verlegt in eine andere Neonatologie…..und wurde operiert….und operiert und operiert….
    und die anderen die mit einem entbunden haben, durften als glückliche Erstlings-Mamis nach Hause…..nie wieder Schwangerschaft

    Und zu Deiner Frage: Wie die Eltern das schaffen !

    Letzten Endes hast Du nur 2 Möglichkeiten. Wegrennen oder da bleiben. Du tust es einfach. Du denkst irgendwann nicht mehr drüber nach. Du tust es einfach. Es ist Dein Leben/Schicksal. Du liebst Dein Kind, es tut Dir weh…wenn ihm weh getan wird. Du leidest mit Deinem Kind. Du gehst durch die Hölle mit Deinem Kind ! Du tust alles, um die Schmerzen vergessen zu lassen….und hoffst das irgednwann einmal glücklichere Zeiten kommen…..!

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