Montag , 20 August 2018
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Albträume – Pavor nocturnus


Albträume haben wir wohl alle ab und an mal wieder. Wer kennt das nicht, man wacht schweiß gebadet auf, die Erinnerungen an das Geschehene sind lediglich bruchhaft und die Gewissheit dass alles nur ein Traum war lässt das Herz wieder langsamer schlafen. Für Kinder sind Albträume allerdings besonders schlimme, denn oft können sie zwischen Traum und Realität noch nicht wirklich unterscheiden.

Leon hatte vor kurzem eine Phase, wo er nahezu jede Nacht schreiend aufgewacht ist. Versuche ihn zu beruhigen blieben erfolglos, er war nicht mal wirklich ansprechbar. Er schlug und trat wild um sich, wehe man kam ihm zu nah. Desto mehr man versuchte beruhigend auf ihn einzureden, desto wilder wurde er. Egal was man tat, es war nutzlos – als Eltern kamen wir uns in diesen Momenten völlig hilflos und verloren vor.

Doch so plötzlich diese Schreiattacken kamen, so plötzlich waren sie auch wieder vorüber. Nach einigen Minuten war alles vorbei. Leon schaute einen total verdutzt an, sagte in einem total zufriedenen Ton “Leon müde, Mama raus”, drehte sich um und schlief weiter. Der Rest der Nacht blieb ruhig. Am nächsten Morgen war alles wie immer, so als wäre die Nacht nichts gewesen.

Natürlich war für uns erst mal großes Rätselraten angesagt, die Frage nach dem warum, und was ihn nachts so fertig macht. Alpträume klang im ersten Moment logisch, aber warum ließ er sich dann nicht beruhigen? Die Antwort ist eigentlich ganz simpel:

Leon hatte einen Pavor nocturnus!

Der Pavor nocturnus ist ein normales Schlafphänomen. Dem Angstschrecken liegt ein partielles Aufwachen aus dem tiefen Non-REM-Schlafstadium zugrunde. Das heißt, das Kind wacht aus dem Tiefschlaf unvollständig auf, was sich in einer Art Verwirrtheitszustand äußert.

Der Pavor nocturnus tritt typischerweise 1 Stunde bis 3 Stunden nach dem Einschlafen auf. Das Kind hat die Augen weit offen, reagiert aber nicht oder nur inadäquat auf das Erscheinen der Eltern. Sein Gesicht und seine Haltung drücken Angst, Wut oder Verwirrung aus. Das Kind schwitzt ausgeprägt, atmet verstärkt und hat einen schnellen Puls. Seine Eltern nimmt es nur begrenzt wahr. Sprechen die Eltern das Kind an, so antwortet es nicht oder wirr. Es gelingt den Eltern nicht das Kind zu wecken. Versuchen sie das Kind zu beruhigen, indem sie es streicheln und in den Arm nehmen, regt es sich zusätzlich auf. Es stößt die Eltern weg und schlägt um sich. Das Aufwachen geschieht abrupt. Atmung und Puls normalisieren sich schlagartig. Wie ein Spuk verschwindet der Schreck aus dem Gesicht und der Haltung des Kindes. Das Kind ist zufrieden, müde und schläft rasch ein. Wenn die Eltern das Kind fragen was es erlebt hat, kann es keine Auskunft geben. Es hat auch in den folgenden Tagen keine Erinnerung. Den Pavor nocturnus nimmt es nicht bewusst wahr. Die meisten Episoden dauern 5-15 Minuten. Zumeist dauert eine Episode weniger als eine Viertelstunde – dennoch eine sehr, sehr lange Zeit für die Eltern.

Der Pavor nocturnus tritt zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr, selten bereits Ende des 1. Lebensjahres auf. Am häufigsten kommt er im 4. und 5. Lebensjahr vor. Im Schulalter wird er nur noch selten beobachtet. Genaue Angaben über die Häufigkeit des Pavor nocturnus fehlen.  Man geht davon aus, dass zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr ein Drittel bis die Hälfte aller Kinder solche Episoden haben. Bei den meisten Kindern treten sie nur sporadisch auf, ein oder wenige Male. Manche Kinder erleben über 1 bis 2 Jahre hinweg alle paar Monate ein solches Ereignis. Sehr selten tritt ein Pavor nocturnus bei einem Kind jede Nacht auf.

Häufige Ursachen für den Pavor nocturnus sind überdurchschnittlich viele Eindrücke, die das Kind nicht verarbeiten kann, Übermüdung oder zu spätes zu Bett gehen. Keinesfalls ist der Pavor nocturnus eine Verhaltensauffälligkeit oder eine psychische Störung. Auch ist der Pavor nocturnus nicht mit bestimmten Erziehungsstilen oder mit schwerwiegenden psychischen Erlebnissen in Verbindung zu bringen. Im Gegenteil, er gehört zum ganz normalen kindlichen Schlafverhalten.

Quelle Zitat: Remo H. Largo – Babyjahre






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9 Kommentare

  1. Hmmmm das kannte ich bisher noch gar nicht, erklärt aber so manches was ich schon mit meinen Neffen und Nichten erlebt habe. Wie bist du denn darauf gestoßen, bzw. woher kennst du das?

  2. Oh man, also ich muss gestehen, mich gruselt es ein bisschen, wenn ich mir vorstelle, mein Kind würde so reagieren und ich könnte nichts machen. Zum Glück ist es ja nicht schädlich. Aber verzichten könnte ich darauf trotzdem.

  3. unser kleiner hatte auch den nachtschreck…war wirklich sehr gruselig nachts ,vorallem weil man sein kind ja so nicht kennt.

  4. Ich kannte den Namen bisher nicht. Wusste aber, dass es solch eine From der Schlafunterbrechung gibt.
    Eine erweiterte Form muss ja das Schlafwandeln auch sein.
    Im Übrigen gibt es den Pavor Nocturnus sicherlich auch im höheren Alter.

    Mal eine allgemeine Information zu Albträumen:
    Jeder Mensch hat Albträume. Ganz egal, ob er Horrorgeschichten kennt oder ihm bisher nichts Böses im Leben wiederfahren ist.
    Albträume sind daher Verarbeitungen von Geschehnissen, die nicht unbedingt passiert sind oder erlebt wurden. Diese Geschehnisse kommen von ganz woanders.
    Einige Theorien besagen ja, dass Albträume daher Verarbeitungen eines früheren Lebens sein. Die Idee finde ich zum Beispiel sehr interessant…

  5. @Sven, wenn man mit dem eigenen Kind solche Erfahrungen macht sucht man so lange bis man ne Lösung gefunden hat. Ich hab die Lösung zufällig in dem Buch Babyjahre gefunden, da ich dieses eh parallel zu Entwicklung meiner Kinder leser.

    @Janina, verzichten könnte ich darauf auch gut und gerne, aber leider kann man das nicht beeinflussen. Und ja, in dem Moment gruselt es einen sehr, weil man völlig machtlos ist.

    @Merle, genau das ist es, man kennt sein Kind so nicht. In welchem Alter ist es denn bei euch aufgetreten?

    @Heino, Albträume hat jeder, genau! Obwohl ich persönlich mich an so richtig krasse Albträume nur aus der Kindheit erinnern kann. Bin als Kind auch Schlaf gewandelt, mach ich jetzt auch nicht mehr.

  6. kurz nach seinem 2. geburtstag…ist also noch nicht so lange her ;o)…sind damals nachts (nach dem 3.anfall)ins kh,weil wir nicht wussten,was es war und ich echt panik bekommen hatte.die dame konnte uns dann aber beruhigen.
    bei uns hatte es auch nur ca.3 wochen angedauert…immer um die selbe uhrzeit(so zwischen 0 uhr -1 uhr) und auch immer für so ca.20 min.

  7. bei uns fing es in etwa im selben Alter an. Uhrzeit immer so gegen 23.00 Uhr, manchmal etwas später. Die paar Minuten kamen mir immer vor wie ne Ewigkeit, daher kann ich gar nicht genau sagen wie lange die “Attacken” gingen.
    Jetzt ist es wieder ruhig in seinem Zimmer ;-)

  8. Schlimm, wenn man nicht herausfinden kann woran soetwas liegt. Ich habe bei meinem Kind fast 1/2 Jahr alles ausprobiert. Dann hatte ich herausgefunden, dass es am Fernsehen liegt. Hier reichte es schon wenn unser Kleiner nur kurz beim Fernsehen zugeschaut hatte!

  9. ich bin froh zu lesen daß dieser pavor nocturnus doch recht häufig vorkommt…
    als ich mit einer psychologin über die nächtlichen attacken meines kindes sprach, war ich erst sehr erschrocken über die diagnose!- ich suchte die schuld bei mir aufgrund der trennung meines mannes usw.
    mitlerweile kann ich aber gut damit umgehen und hole meine kleine auch ab und zu in mein bett dann werden wir wenigstens gemeinsam wach und kuscheln noch ne runde…

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