…einer verwirrten Muddi!
08 September 2010

Geburt

So hier nun der ausführliche Geburtsbericht aus Sicht der Mama:

08:00 Uhr
Ankunft im Krankenhaus. Zunächst einmal wurde ich für eine halbe Stunde ans CTG gehängt, der Herzschlag des Kleinen war sehr vorbildlich, Wehen waren auf
dem CTG allerdings nicht wirklich zu erkennen.

Im Anschluss ans CTG wurde ich dann von einer Ärztin untersucht, die nochmals einen Ultraschall machte und auch den Muttermund und den Gebärmutterhals untersuchte. Bis auf das der Muttermund schon etwas weicher war hat sich hier allerdings noch nicht viel getan.

09:00 Uhr
Die Ärztin begann mit der Einleitung in dem sie mir eine spezielles Wehengel vaginal vor den Muttermund legte und einmassierte. Sie erklärte mir vorab, dass dies etwas brennen könne, ich empfand es allerdings eher als ein wohliges, warmes Gefühl, dass sich in meinem Unterbauch breit machte. Sie erklärte mir, dass es zwei bis drei Tage dauern könne, bis das Wehengel anschlägt, da ich zum einen noch vorm Termin sei und zum anderen mein erstes Kind bekomme. Um 15.00 Uhr würde sie wieder nach mir schauen und gegebenenfalls ein zweites Mal ein Gel legen.
Direkt im Anschluss wurde ich wieder ans CTG gehängt um zu schauen ob das Gel schon irgendetwas bezweckt hat. Nun waren doch tatsächlich schon sehr regelmäßige wenn auch noch recht schwache Wehen zu erkennen. Beim Abtasten des Muttermundes stellte die Hebamme fest, dass mein Muttermund bereits Finger durchlässig wäre und ich mich darauf einstellen kann, dass es heute noch losgeht, jedenfalls sehe es momentan danach aus. Sie bestellte
mich für 13:30 Uhr zum nächsten CTG um den Verlauf weiter zu beobachten.


In der Zwischenzeit bezog ich schon mal auf der Wöchnerinnen-Station mein Zimmer, packte aus und machte es mir gemütlich. Um 12:00 Uhr gab es dann Mittagessen und während des Essens stellte ich fest, dass das Ziehen in
meinem Bauch immer intensiver und regelmäßiger wurde. Ich legte mich nochmal
ins Bett um Kraft zu tanken, aber im Liegen wurden meine Schmerzen stärker. Sie waren so intensiv, dass ich nicht wusste woher sie kamen, ob es vom Darm her kam, da es enorm auf meinen Enddarm drückte oder vom Unterleib. Ich schickte Pascal noch schnell eine SMS und machte mich wieder auf den Weg in den Kreissaal.


13:00 Uhr
Im Kreissaal angekommen wurde erneut CTG gemacht wo nun auch schon sehr deutlich Wehen aufgezeichnet wurden. Allerdings müssten diese Wehen in noch kürzeren Abständen kommen. Im Anschluss untersuchte die Hebamme noch mal meinen Muttermund, dieser war nun schon fingerbreit geöffnet. Sie bot mir an, wenn das Drücken auf meinen Enddarm schlimmer werden sollte, dass wir gerne einen Einlauf machen könnten, darauf verzichtete ich erst mal. Sie gab mir noch ein homeophatisches Schmerzmittel zum Lutschen mit und Pascal und ich gingen erst mal noch ein bisschen spazieren.

Nachdem Pascal mich wieder aufs Zimmer gebracht hatte legte ich mich erneut hin. Es dauerte aber nicht lange und die Schmerzen wurden so enorm stark,
dass ich weder liegen, sitzen, stehen oder gehen konnte. Somit rief ich eine Schwester, die mich dann in den Kreissaal begleitete.

14:00 Uhr
Erneut im Kreissaal angekommen setzte ich mich zum CTG auf einem Gymnastikball in der Hoffnung dass durch Kreisen des Beckens die Schmerzen etwas gedämmt werden. Leider half das nicht wirklich und beim Ausatmen blieb mir bereits jetzt nichts anderes mehr übrig als laut zu stöhnen. Die Hebeamme untersuchte erneut meinen Muttermund, dieser hatte sich in der Zwischenzeit
auf 2cm geöffnet.

Die Ärztin, die die Einleitung morgens durchgeführt hatte schaute kurz bei mir vorbei und wir stellten gemeinsam fest, dass ich wohl keine weitere Einleitung mehr bräuchte.

15:00 Uhr
Die Hebamme ließ mein Bett aus dem Zimmer holen um es in den Kreissaal zu schieben und half mir beim Umziehen. Sehr sexy bekam ich ein Netzhöschen
und so ein Engelshemdchen an. Danach begleitete sie mich in den Kreissaal 1, wo ich erst mal ein Schmerzmittel in den Po gespritzt bekam,
da ich keine PDA wollte.

Ich sollte mich nun auf die Knie setzen und mit dem Oberkörper über das hochgestellte Bett lehnen, damit der Kleine in eine bessere Position rutschen kann. Gleichzeitig bat ich die Hebamme Pascal anzurufen, da meine Schmerzen zwischenzeitlich so enorm wurden, dass ich es nicht mehr alleine aushielt und bereits begann während der Wehen nicht mehr nur zu stöhnen sondern zu schreien vor Schmerzen.
Als Pascal kam entschieden wir uns gemeinsam sehr schnell dazu, dass eine PDA wohl doch das sinnvollste sei, da die Geburt sich noch lange hinziehen kann und ich schon völlig erschöpft war von den Schmerzen.

16:00 Uhr
Die Narkoseärztin kam zusammen mit der Hebamme und sie bereiteten mich auf die PDA vor. Zunächst musste ich mich aufrecht hinsetzen und einen Katzenbuckel machen. Die Narkoseärztin spritze mir eine örtliche Betäubung in den Rücken an der Stelle wo sie die PDA setzen würde und man desinfizierte mir den Rücken. Dank meines Hohlkreuzes war es leider nicht so einfach die richtige Einstichstelle zu finden, da die Ärztin immer wieder auf Knochen stieß.
Gleichzeitig spritze mir die Hebamme bei jeder herantretenden Wehe einen Wehenblocker, da ich ganz still sitzen musste, und das unter Schmerzen nur schwer geht. Nach 45 Minuten ca. hat die PDA dann endlich gesessen.

Vor der Tür wartete bereits meine Freundin Daniela, die Pascal und mich bei der Geburt unterstützen wollte.

Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die PDA nur einseitig wirkte, denn auf der linken Seite ließen die Schmerzen zwar nach, aber auf der rechten Seite merkte ich leider keinen Unterschied zu vorher. Daher kam die Narkoseärztin gegen 18:00 Uhr noch ein zweites Mal und zog den Schlauch wieder einen Millimeter nach draußen, so dass das Betäubungsmittel am
Knochen vorbei fließen konnte.

Im selben Atemzug hängte mich die Hebamme zusätzlich an einen Wehentropf um die Geburt schneller heran zutreiben.

19:00 Uhr
Der Muttermund war nun bereits 4cm geöffnet. Die Schmerzen allerdings wurden immer schlimmer und unerträglich, da die PDA seit dem zweiten Besuch der Narkoseärztin nun gar nicht mehr wirkte.
Da nebenan im OP gerade ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde waren nun auch alle Narkoseärzte im Einsatz, so dass sie keine Zeit hatten nochmals nach
meiner PDA zu schauen.

Die Wehen kamen immer häufiger, die Schmerzen wurden immer schlimmer, selbst zwischen den Wehen hatte ich kaum die Möglichkeit mal tief durchzuatmen, so dass ich aus dem Schreien gar nicht mehr raus kam.

20:00 Uhr
Die Hebamme kam zu mir und hängte mich an einen Wehen hemmenden Tropf um mich vorübergehend von den unerträglichen Schmerzen zu erlösen. Aber auch dessen Wirkung ließ lange auf sich warten, so dass die Wehen zwar mit
der Zeit wieder in längeren Abständen kamen, die Schmerzen aber dennoch da waren.

21:00 Uhr
Endlich kamen ein Narkosearzt und eine Narkoseschwester um die PDA neu zu setzen. Die Hebamme hatte in der Zwischenzeit auch gewechselt. Auch dieser Arzt hatte auf Grund meines enormen Hohlkreuzes Probleme die PDA zu stechen. Wieder vergingen ca. 45 Minuten, in denen ich glücklicherweise nur selten
Wehen hatte. Diesmal holte der Narkosearzt den Chefarzt der Narkoseabteilung, da er selbst es nicht schaffte, die PDA zu legen. Beim Chefarzt ging es aber glücklicherweise alles ganz schnell und die PDA war in wenigen Minuten gelegt.

22:00 Uhr
Nun da die PDA endlich wirkte wurde ich erneut an den Wehentropf gehängt um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Zwischenzeitlich war auch meine Fruchtblase geplatzt und der Schleimpfropf war abgegangen.
Der Muttermund lag nun bei 6cm.

Auf dem CTG wurden nun sehr starke Wehen in sehr kurzen Abständen aufgezeichnet, die ich aber dank der PDA kaum noch spürte.
Endlich war ich völlig schmerzfrei.

So verging nun die Zeit und ich völlig in Trance von der Erschöpfung der letzten Stunden und der wirkenden PDA. Die Hebamme schaute regelmäßig nach mir und untersuchte in regelmäßigen Abständen meinen Muttermund der sich leider nicht weiter öffnete.

24. Juni 2008

02:00 Uhr
Da sich in den letzten 4 Stunden am Muttermund nichts mehr verändert hat und Leon langsam nervös auf die Wehen reagierte indem sein Herzschlag mit jeder Wehe niedriger wurde kam eine Ärztin um uns zu untersuchen und entschied gemeinsam mit der Hebamme, Pascal und mir, dass es sinnvoll wäre einen Kaiserschnitt zu machen, da es sonst für den Kleinen zu riskant wäre.

Nun wurde ich von der Hebamme und dem Narkosearzt auf die OP vorbereitet. Die PDA wurde hoch gespritzt, so dass ich unterhalb der Brüste fast nichts mehr spürte. Die Hebamme legte mir einen Blasenkatheter wovon ich aber nichts spürte. Außerdem erhielt ich einen ?Schnaps? den ich trinken sollte um die Magensäure zu regulieren.
Während Pascal sich für die OP umzog wurde ich auf den OP Tisch verlegt. Kam mir vor wie Jesus der ans Kreuz genagelt wurde. Die Ärzte hängten mich ab, so dass ich zwar alles hörte, aber nichts mehr sehen konnte. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren durfte nun auch Pascal endlich wieder zu mir und die OP begann.

Der Schnitt selbst fühlte sich an, als würde jemand ganz sanft mit einem Finger oder einer Feder über meinen Bauch streichen. Danach ruckelte es heftig am Tisch und ich hatte das Gefühl, dass jemand mit einer Saugglocke an meinem Bauch zog. Es war ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, aber absolut schmerzfrei. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Ärzte sich mit ihrem kompletten Körpergewicht auf meinen Bauch warfen, so wie es am Tisch geruckelt hat.

02:40 Uhr
Ein Schrei! Endlich war er da unser kleiner Leon und hat das Licht der Welt erblickt. Mir kamen die Tränen vor Freude und vor Erleichterung. Sie zeigten uns den kleinen Leon kurz und dann brachten sie ihn aber auch schon raus zu den Kinderärzten, die ihm nicht viel Chancen im Vorfeld gegeben haben aufgrund der Nackentransparenz.

Die nächsten Stunden wurde er sämtlichen Untersuchungen unterzogen, alles bestens.

Pascal verließ dann kurz drauf auch den OP, da es alles etwas viel für ihn war.
Die Ärzte machten sich nun daran mich wieder zuzunähen. Um mich herum
wurde es plötzlich sehr kalt und ich fing an zu zittern. Ich zitterte so enorm und fror so sehr, mein Kreislauf schien zu kollabieren. Der Narkosearzt spritze mir regelmäßig irgendwas für den Kreislauf, damit ich stabil blieb. Mir wurde schlecht und ich hatte das Gefühl brechen zu müssen. Sie brachten mir noch mal den Kleinen und legten ihn kurz zu mir. Da ich aber noch immer so stark zitterte und fror konnte ich ihn nicht wirklich halten.

Die Ärzte erklärten mir nun, dass der Kleine erst mal auf Grund seiner Nackenfalte zur Beobachtung auf die Neugeborenen-Intensiv-Station kommt und ich zur Stabilisierung zurück in den Kreissaal.
Mittlerweile war es bereits 04:00 Uhr.

Pascal brachte mir noch ein Foto vom meinem kleinen Schatz und ich versuchte zu schlafen. Gegen 06:00 Uhr wurde ich dann vom Kreissaal auf mein Zimmer verlegt.

Kommentare

7Kommentare zu “Geburt”

  1. Janina
    Twitter:
    (18 comments)
    sagt:

    Oh wow. Kein Kommentar? Ich lese zum ersten Mal so ein Geburtstagebuch und fand es sehr spannend! Hut ab vor jeder Frau, die das schon gemacht hat. Jedenfalls vielen Dank, dass du das mit uns geteilt hast, ist ja auch nicht selbstverständlich! Weiß man denn, warum du am Ende so gefroren hast? Ist das normal, dass der Kreislauf so abkippt?

  2. Melvenue (65 comments) sagt:

    Das war wohl die Anspannung, der Stress und irgendwie auch die Erleichterung, die meinen Kreislauf zum Zusammenbruch gebracht haben. Hatte eine sehr schwere Schwangerschaft und zum Schluss war das wohl alles zu viel für mich. Wie gesagt, der eine Doc hat mir immer wieder was gespritzt, dass ich nicht weg gekippt bin. Beim zweiten war alles anders. Da war es ein geplanter Kaiserschnitt und ich bin beim Zusammennähen ganz relaxed eingeschlafen, während Männlein und Kinderärzte den Junior versorgt haben.

  3. Janina
    Twitter:
    (18 comments)
    sagt:

    Aber es ist schon deprimierend, wenn man vorher solche Kraft aufgebracht hat und dann am Ende doch nur der Kaiserschnitt helfen kann. Wobei dir das wahrscheinlich total egal war zum Schluss, weil du bestimmt fertig mit der Welt warst.

  4. Melvenue (65 comments) sagt:

    Zum Schluss war mir wirklich alles schnurtz piep egal, obwohl ich schon gerne noch weiter gekämpft hätte. Mein Arzt hatte im Vorfeld bereits zum Kaiserschnitt geraten, aber das wollte ich auf gar keinen Fall…

  5. Janina
    Twitter:
    (18 comments)
    sagt:

    Ja klar, man versucht dann natürlich erst alles Normal hinzubekommen. Kann ich verstehen. Würd ich wahrscheinlich nicht anders machen!

  6. Melvenue (65 comments) sagt:

    Beim Zweiten wollte ich es dann nicht mehr probieren, auch mein Arzt war der Meinung, dass ich noch n traumatisches Geburtserlebnis wahrscheinlich psychisch nicht so gut weg stecken würde, daher war die Entscheidung zum Kaiserschnitt nicht schwer… Und danach war ich froh, denn es wäre mit Sicherheit wieder nicht geworden ;-)

  7. Janina
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    (18 comments)
    sagt:

    Beim zweiten Mal ist es auch sicherlich etwas anderes. Und wenn der Arzt dazu rät, tendiert man schon eher mal dahin, klar.

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