Sonntag , 20 August 2017
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Verkaufsoffen am Reformationstag


In einigen Städten in NRW ist heute Verkaufsoffener Sonntag, und wie immer an solchen Tagen wird sich der Einzelhandel am Ende des Tages über die Einnahmen nicht beschweren können.

Kirchenvorstände, Pfarrer und Geistliche allerdings kritisieren diesen Verkaufstag enorm. Es  handele sich in diesem Fall schließlich nicht nur um einen gewöhnlichen Sonntag, der an sich schon heilig sein sollte, nein, denn heute ist zudem noch Reformationstag – der Tag an dem 1517 die evangelische Kirche gegründet wurde. Rücksicht solle der Einzelhandel auf solch wichtige Termine im christlichen Kalender nehmen, denn schließlich habe die Menschheit ein Recht darauf diesen Tag in Ruhe zu feiern.

Doch mal ganz im Ernst, der Mehrheit der Menschen ist das doch nun mal wirklich egal. Nicht umsonst sind verkaufsoffene Sonntage, so wahrscheinlich auch dieser, so erfolgreich. Es zwingt ja niemand die Menschen dort hinzugehen, im Gegenteil, sie tun es freiwillig. Die Leute, die unter der Woche nicht die Möglichkeit haben zum shoppen, tun dies eben am Wochenende und bekommen mit den verkaufsoffenen Sonntagen noch einen zusätzlichen Tag dafür.

Viele Stimmen werden natürlich auch laut wegen der armen Menschen, die deswegen am Sonntag arbeiten müssen. Entschuldigung, aber es gibt so viele Menschen, die nicht im Einzelhandel beschäftigt sind und trotzdem Sonntags arbeiten müssen. Gastronomie, Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Stromkraftwerke, diverse Produktionsfirmen – hier und noch an vielen weiteren Stellen wird auch Sonntags gearbeitet. Hört man hier irgendwelche Beschwerden von wegen “heiliger Sonntag”. Ich würde gerne mal einen Kirchenvorstand sehen, der heute beispielsweise wegen eines Notfalls ins Krankenhaus muss und nicht behandelt wird, weil sich der diensthabende Arzt sein Recht auf den Reformationstag nimmt.

Aber scheinbar kommt es gerade wieder in Mode, sich über seinen Job zu beschweren. Noch vor kurzem war man froh überhaupt Arbeit zu haben, nun aber fühlt man sich wieder sicher und wird wählerisch. Immerhin ist ja auch die Zahl der Arbeitslosen auf unter 3 Millionen gesunken, der Arbeitsmarkt hat sich regeneriert. So jedenfalls die Statistiken der Agentur für Arbeit, die der JobKOMM (unter anderem Hartz IV) sind hier nämlich nicht mit einbegriffen.

Alles in allem weiß ich nicht was die Kirche plötzlich mit dem Einzelhandel zu tun hat und warum man sich ständig und immer wieder nach der Kirche und diversen Religionen richten soll. Schließlich gibt es auch genügend Menschen, die keinem Glauben angehören, sich aber trotzdem nach der Kirche richten sollen.

Ich persönlich mag verkaufsoffene Sonntage ja auch nicht. Aber nicht weil mir der Sonntag so heilig ist, sondern weil ich lieber unter der Woche shoppen gehe wo ich nicht erst mal eine halbe Stunde anstehen muss um ein Shirt anzuprobieren.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de






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8 Kommentare

  1. Ich finde es klasse, was Du hier in Deinem Blog für ein breites Themenspektrum abdeckst.
    Ich selber gehöre zu den Arbeitnehmern, die auch (ab und an) mal Samstags und/oder Sonntags arbeiten “müssen”, da die Kunden meines Arbeitgebers auch am Wochenende und an Feiertagen ihre Aufträge loswerden wollen. Ich bin bei einem Gastronomie-Zulieferer tätig, wir liefern zwar Sonntags nicht aus, aber es können Sonntag für Montag (und logischerweise die Folgetage) Aufträge aufgegeben werden.
    Wenn wir am Wochenende nicht arbeiten würden, würden die Kunden zu einem Zulieferer abwandern, der am Wochenende arbeitet…
    Um noch mal auf die Kirchenmitarbeiter zu sprechen zu kommen, die haben doch alle auch Telefon und Internet, mal angenommen, das fällt auf einem Wochenende oder Feiertag aus und der Anbieter hat keine Hotline, sagen die sich dann, richtig so, ich ja Sonntag/Feiertag oder würden die lieber ihr Problem gelöst haben?

  2. Richtig so, ich mag verkaufsoffene Sonntage auch!

  3. Mit DER Argumentation könntest du dann aber auch gleich quasi jeden Feiertag platt machen. Der dahinter stehende Sinn der jeweiligen Feiertage wird nun mal von Jahr zu Jahr und Generation zu Generation weniger bekannt.

    Das fängt bei Tagen wie Fronleichnam und Allerheiligen an (frag da mal jemanden auf der Straße, um was es bei den Tagen geht) und setzt sich auch bei bekannteren Festen wie z.B. Ostern leider immer mehr durch. Selbst bei Festen wie Weihnachten schafft man es inzwischen ja, bei Umfragen auf der Straße “Pfeifen” zu finden, die nicht mal ansatzweise wissen, was es damit auf sich hat (“Irgendwas mit Jesus und so?”). Ok, man muss nicht daran glauben, aber ich bin dennoch der Ansicht, dass zumindest der Hintergrund für Ostern und Weihnachten schon irgendwie zur kulturellen Allgemeinbildung gehört.

    Bei den christlichen Feiertagen müssten wir dann gar nicht aufhören, unseren Nationalfeiertag könnten wir dann nach deiner Argumentation auch gleich abschaffen. Da weiß die Mehrheit zwar vielleicht noch, dass man die Einheit Deutschlands feiert (sagt ja schon der Name des Feiertages, ist also nicht so schwer zu erraten, selbst wenn der IQ stark gegen Null tendieren sollte), aber wirklich “gefeiert” oder sich darauf besonnen wird an solchen Tagen wohl auch eher wenig in der Bevölkerung, oder?

    Ich könnte die ganze Argumentation aber auch mal dreist umdrehen: eben dadurch, dass man an solchen Tagen andere Dinge wie Kommerz und Alltagshektik immer mehr und mehr in den Vordergrund rückt, geraten die eigentlichen Bedeutungen der Feiertage erst immer weiter in Vergessenheit.

    Ich bin nun wirklich niemand, der die Kirche blind bei allen -teilweise absurden und weltfremden- Forderungen unterstützt. In diesem Fall hier habe ich aber durchaus Verständnis für die Forderung, schließlich verlangt die Kirche nichts wirklich Neues, sondern nur, dass die althergebrachten Rechte, nämlich die Achtung bestehender Feiertage, weiterhin beachtet werden. Was spricht dagegen?

    Das Argument, dass es hierzulande auch Menschen gibt, die mit Religion nichts am Hut haben, geht in meinen Augen fehl. Klar gibt es die und denen sind derlei Feiertage sicherlich egal. Dann gibt es auch noch die mit anderen Religionen… auch denen düften christliche Feiertage egal sein. Letztlich ist das hier aber immer noch ein christlich-kulturell geprägter Staat, in den solche Feiertage und Veranstaltungen entsprechend an allen möglichen Stellen verankert sind. Auch gehört die große Mehrheit der Bevölkerung immer noch -zumindest formell- dem christlichen Glauben an.

    Selbstverständlich gibt es auch immer in allen möglichen Berufen “Notbesatzungen”, um in entsprechenden Notfällen auch an Sonn- und Feiertagen einschreiten zu können, sei es nun bei Ärzten, Feuerwehr, Polizei etc. oder auch bei privaten Unternehmen wie Sicherheitsdiensten, Administratoren zur Aufrechterhaltung von Systemen usw. Da sagt ja auch niemand etwas gegen, denn manche Dinge sind einfach rund um die Uhr nötig, um den Betrieb oder die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Da kann man bei einem verkaufsoffenen Sonntag allerdings wohl eher weniger von sprechen.

    Ich mag ja noch verstehen, dass es ab und an verkaufsoffene Sonntage gibt – auch wenn ich persönlich diese nicht nutze. Genausowenig, wie ich 24 Stunden rund um die Uhr geöffnete Supermärkte brauche. Hat bisher und all die Jahre vorher auch immer recht gut geklappt, Einkäufe so zu koordinieren, dass man die zu normalen Öffnungszeiten der Supermärkte durchführte, zumal die inzwischen ja auch lang genug offen sind. Und wenn ich dann nachts um 3 Uhr doch mal Heißhunger auf eine 5-Minuten-Terrine bekomme, die ich nicht daheim habe, meine Güte, dann hab ich eben Pech gehabt :D

    Wie gesagt, dennoch kann ich noch so halbwegs mit verkaufsoffenen Sonntagen leben, aus irgendeinem Grund bringen die ja tatsächlich immer wieder gut Leben in die Innenstadt. Aber warum man so einen verkaufsoffenen Sonntag dann ausgerechnet auf einen Feiertag legen muss, erschließt sich mir wirklich nicht. Man hätte die ganze Diskussion doch ganz einfach vermeiden können, wenn man ihn einen Sonntag früher oder später abgehalten hätte. Da wären die Leute genauso in die Innenstädte gestürmt und wir hätten hier keine Grundsatzdiskussion über die Verwurzelung vom Christentum in die Kultur unserer Gesellschaft zu führen :D

    Mist, wenn ich mir so ansehe, was ich da wieder geschrieben habe, hätte ich auch locker nen eigenen Artikel daraus machen können ^^

  4. “Mist, wenn ich mir so ansehe, was ich da wieder geschrieben habe, hätte ich auch locker nen eigenen Artikel daraus machen können ^^”

    Du hättest wirklich nen eigenen Beitrag schreiben können ;-) dein Kommentar ist ja länger als mein Beitrag

    Nun gut…

    “In diesem Fall hier habe ich aber durchaus Verständnis für die Forderung, schließlich verlangt die Kirche nichts wirklich Neues, sondern nur, dass die althergebrachten Rechte, nämlich die Achtung bestehender Feiertage, weiterhin beachtet werden. Was spricht dagegen?”

    Bist du schon mal an einem Sonntag oder Feiertag essen gegangen? Hier geht es auch nicht um eine Notfallbesetzung oder darum die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten ;-) Da meckert auch niemand dass die armen Köche und Kellner arbeiten müssen obwohl Feiertag ist….

  5. Klar, Ausnahmen findet man reichlich, wenn man will. Die von dir angesprochenen Restaurants. Den Pfarrer, der die Messe hält. Den Bäcker, der die Sonntagsbrötchen backt. Den Busfahrer und den Taxifahrer. Schauspieler und sonstige Künstler, die irgendwo auftreten. Den Event-Manager und seine Leute, die ein Sonntags-Event organisieren. Leute, die Geschäfte am Bahnhof betreiben. Den Kios-Besitzer um die Ecke. Ich selbst habe auch mal eine Zeit lang sonntags Zeitungen ausgetragen… die Liste ließe sich gewiss noch erweitern. Aber was haben all diese Ausnahmen zu bedeuten? Rechtfertigen sie, dass man das bestehende Verbot zur Sonntagsarbeit (soweit es in seiner aufgeweichten Form noch besteht) immer weiter aufweicht?

    Trotz dieser zahlreichen Ausnahmen ist so ein Sonntag ja für die meisten Menschen etwas besonderes. Denn wenn man vor die Tür geht, ist es einfach wesentlich ruhiger als unter der hektischen Woche. Weil der Großteil der Arbeit bundesweit an diesem Tag ruht. Ich finde einen solchen Ruhetag in der Woche richtig und wichtig.

    Natürlich wäre es möglich, dass wir die Sonntags-Arbeit weiter ausbauen. Erst für den Einzelhandel. Konsequenterweise dann auch für alle anderen. Die Leute, die dann sonntags arbeiten würden, würden halt einen anderen Tag in der Woche frei bekommen (oder auch nicht, je nachdem, wie geschickt sich die Verhandlungspartner und Lobbys da anstellen würden). Aber der Sonntag wäre danach ein Tag, wie jeder andere. Kein Tag mehr, an dem der Großteil der Arbeit mal einen Tag liegen bleibt, ab dem größtenteils Ruhe im Land herrscht, an dem die meisten Familien gemeinsam einen Tag lang etwas unternehmen können. Ich persönlich fände das schade, da ich die besondere Atmosphäre eines ruhigen Sonntags (völlig losgelöst von religiösen Bedeutungen) einfach schön finde und zu schätzen weiß.

  6. @Sascha: bei mir in der Firma ist es geplant, einen 24/7-Dienst einzufinden, sowie sich 2 Freiwillige für nachts gefunden haben, geht es los.

  7. Ein schwieriges Thema. Also ein Freund von Verkaufsoffenen Sonntagen bin ich nicht mehr so, weil mir einfach zu viel los ist in der Stadt. Ich kaufe sowieso viele Dinge online und da ist es sowieso egal ob nun Sonn- oder Feiertag.
    Allerdings kaufen auch viele nicht an diesem Tag, sondern schauen einfach nur, weil viele eben nichts besseres an einem Sonntag zu tun haben. Daher ist es nicht wirklich ein Mehrwert für die Geschäfte. Bei uns haben daher viele auch schon gar nicht mehr offen. Aber ich wohne ja auch in einer Provinz, wenn man es so sieht :-)
    Sascha hat aber recht. Hätten wir keine Kirche, dann hätten wir auch keine Sonn- und Feiertage. Wir müssten alle 7 Tage die Woche arbeiten gehen. Den Firmen würde das sogar sehr gut gefallen. Aber mir als Arbeitnehmer nicht so wirklich.
    Ich bin nicht religiös und von mir aus könnte man die Kirche auch abschaffen.
    Übrigens beschweren. Der Einzelhandel beschwert sich doch eigentlich immer, dass die Geschäfte schlecht laufen. Auch dieses Jahr an Weihnachten wird es wieder Meldungen geben, dass der Einzelhandel unzufrieden war.
    Na wie auch immer. Ich wünsche euch viel Spass beim Shoppen :-D

  8. Häh? Also irgendwie hab ich doch gar nicht gesagt, dass Sonntage generell abgeschafft werden sollen, oder?

    Nun gut, ich arbeite schon seit ich arbeiten gehe auch hin und wieder an Sonntagen und an Feiertagen. Sonntage habe ich meist 2 im Monat gearbeitet und Feiertage wurden auch gerecht aufgeteilt… Ich hab das immer als großen Vorteil gesehen. Wisst ihr wie geil es ist unter der Woche nen Tag frei zu haben ohne gleich Urlaub nehmen zu müssen, zudem gibts /gabs (kommt wohl auf den Arbeitsvertrag an) auch immer fett Zuschläge für Sonn und Feiertage. Des waren dann am Monatsende auf dem Konto gleich mal 200-500 Euro netto mehr.

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