Mittwoch , 28 Juni 2017
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Am seidenen Faden


Stellt euch vor ihr sitzt in eurem Auto, gerade auf dem Heimweg – ihr wolltet noch schnell was einkaufen. Die Kinder sind bereits im Bett, ihr lasst den Tag Revue passieren. Es war ein traumhafter Tag im Garten, mit viel Sonnenschein und lachenden Kindern. Die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin, einiges im Garten ist schon am Blühen, der Frühling ist so schön.

Und während ihr eure Gedanken so schweifen lasst ziehen plötzlich dunkle Wolken am Himmel auf, es wird zunehmen windiger. Im Radio läuft Adele “Someone like you” in einer mehr als melancholischen Live-Version. Im Gegenverkehr plötzlich Blaulicht, Blaulicht das sehr schnell näher kommt, die Sirenen heulen während Adele weiter singt. Zuerst seht ihr den Rettungswagen, direkt gefolgt vom Notarzt.

Rettungswagen (c) Gerd Altmann / pixelio.de

Dass hier gerade jemand um sein Leben kämpft ist mehr als wahrscheinlich, und ich frage mich was gerade in diesem Moment wohl passiert…

Es ist anzunehmen, dass Zuhause Angehörige sitzen, vielleicht eine Frau, die völlig aufgelöst und hilflos schnell die wichtigsten Dinge zusammen packt um sich dann ebenfalls auf den Weg in die Klinik zu machen. Vielleicht hat sie noch schnell Oma angerufen mit der Bitte vorbei zu kommen und sich um die Kinder zu kümmern, die bereits im Bett sind und von allem nichts mitbekommen haben.

Viel zu oft werden Menschen viel zu früh aus dem Leben gerissen, sei es plötzlich durch einen Unfall, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eben vorhersehbar durch Krankheit oder einfach altersbedingt.

Auch ich musste in den letzten vier Jahren viel zu oft dabei zusehen wie mir nahe stehende Menschen aus dem Leben gerissen wurden.

2008 mein Vater, der mit gerade mal 58 Jahren den Kampf gegen Krebs verlor, nach 5 Jahren Hoffen und Bangen. 2010 mein Onkel, der mit 62 Jahren plötzlich einem viel zu spät entdeckten Hirntumor erlag. Im selben Jahr mein Opa der mit 82 endlich vom einem Leben erlöst wurde an dem er die letzten drei Jahre wohl kaum noch bis gar nicht mehr teilnahm. 2011 Oma und Opa meines Mannes, kurz hintereinander, völlig unerwartet und plötzlich. Bei ihm war es das Herz, bei ihr der Verlust ihres Mannes, den sie nicht verkraftete. Noch im selben Jahr meine Oma, die relativ schnell an den Folgen eines Schlaganfalls starb.

So könnte man sagen das ist der Lauf des Lebens – Menschen kommen und Menschen gehen. Dennoch ist der Moment in dem ein Leben geht oder an einem seidenen Faden hängt immer gefüllt mit Angst, Verzweiflung und unendlicher Trauer bei den Menschen die bleiben – oft gefolgt von der Frage “Warum?”.






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3 Kommentare

  1. Da hast du recht. Das kann schneller gehen als man denkt. Man meckert rum, ärgert sich im Job, hat Stress mit den Kindern. Aber am Ende hat man eigentlich ein tolles Leben (in Deutschland) und vor allem man lebt!

  2. Ne, das stelle ich mir lieber nicht vor… man sollte sich auch nicht zu trübe Gedanken machen. Wenn es einen trifft, dann ist es halt so. Bis dahin sollte man sein Leben leben und sich darüber freuen, mit seinen Lieben dieses verbringen zu dürfen!

  3. Ich habe viele Jahre im Krankenhaus in der Pflege gearbeitet. Jedes Mal wenn ich heute noch einen Krankenwagen mit Blaulicht zurück in die Klinik fahren sehe habe ich die oben beschriebenen Gedanken. Man muss sich einfach den Satz “genieße jeden Tag, als wäre es Dein Letzter” vor Augen halten und das Leben genießen.

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